Zahlen spielen in dem Zweipersonenstück "Zitronen, Zitronen, Zitronen", das nun vom Schauspielhaus Graz gestreamt wird, von Anfang eine tragende Rolle. Wann immer die Schauspielerinnen Maximiliane Haß und Katrija Lehmann sich auf der Bühne begegnen, werfen sie einander eine Zahl an den Kopf: 32. 21. Oder: 15. 15.

Im Lauf der Handlung wird deutlich, was es mit der Zahlenmystik auf sich hat: Ein Gesetz wurde verabschiedet, das die Kommunikation auf 140 Wörter pro Tag und Mensch beschränkt. Das Stück spielt in einer nicht näher erläuterten dystopischen Zukunft, in der solch haarsträubende Gesetze offenbar reibungslos durchgehen. Wenn bedauerlicherweise viele Worte bereits im Job verpulvert wurden, bleiben für das Privatleben mitunter nur mehr ein, zwei über, die dann wohlüberlegt ausgesprochen werden wollen. Ideale Verwendung für zwei Wörter: "Lieb dich".

Der britische Dramatiker Sam Steiner landete mit der Uraufführung von "Lemons, lemons, lemons, lemons" - dieser Titel! Was für eine unerhörte Wortverschwendung - vor sechs Jahren einen Bühnenhit beim Fringe-Festival in Edinburgh.

Seitdem setzt das Stück seinen Siegeszug fort. Der einstündige Grazer-Stream, eine live Aufführung wird für Herbst angekündigt, ist gleichsam die deutschsprachige Erstaufführung. In der Originalvorlage entwickelt sich die ungleiche Liaison zwischen dem Musiker Oliver und der Anwältin Bernadette, in der Grazer Fassung von Regisseurin Anne Mullener und Dramaturgin Franziska Betz wird daraus eine lesbische Liebesbeziehung, was den mitunter doch recht konventionellen Dialogen immerhin einen etwas anderen Grundton verleiht. Das Publikum begleitet die beiden Protagonistinnen von der anfänglichen Verliebtheit bis zum ersten Krach, gleitet von der leidenschaftlichen Versöhnung in einen gepflegt-gelangweilten Beziehungsalltag.

Absurdes Theater

Mulleners zurückgelehnte Regie fördert die Stärken und Schwächen des Stücks zu Tage: Natürlich wohnt der bizarren Annahme, dass den Bühnenfiguren die Worte ausgehen, eine gewisse Komik inne - die knappen Dialoge, das Ausweichen in Pantomime und Gestik, das hat schon was. Dem Frauenduo Maximiliane Haß als Musikerin in roter Latzhose und Katrija Lehmann, Juristin im blauen Anzug, glückt dabei in der rasanten Szenenabfolge durchaus ein geschmeidiges Zusammenspiel. Doch die Ausgangssituation in "Zitronen, Zitronen, Zitronen" erinnert auch an das Absurde Theater etwa eines Ionesco. Doch gerade dieser historische Vergleiche zeigt, wie brav und bieder das Stück eigentlich ist, wie allzu schlicht konstruiert. Harmlos.