Einst drückten sie miteinander die Schulbank, die Elfie und die Susi. Nun saßen sie wieder nebeneinander, diesmal auf der kleinen Bühne des Theaters "Tribüne". Elfriede Ott las aus dem Roman "Faust I. und die Tante Helene" ihrer ehemaligen Schulfreundin Susanna Germano. Der Mandelbaum-Verlag hatte zu dieser Veranstaltung geladen, und es waren ungemein stimmungsvolle und sehr familiäre eineinhalb Stunden. Denn Elfie und Susi plauderten locker zwischen den einzelnen Romanabschnitten und Susanna Germano erzählte aus ihrem Leben.

Das vorliegende Werk ist die erste Prosaarbeit der pensionierten Gymnasial-Professorin und Weltenbummlerin. Zuvor hatte sie ausschließlich Bühnenstücke und Hörspiele geschrieben. Hier, in diesem "Roman einer Kindheit" (so der Untertitel), schildert sie ihr Leben als Schauspielerkind, ein Leben vor der Kulisse des herannahenden Dritten Reiches, später dann als Widerstandskämpferin. Was Susanna Germano hier bietet, ist Zeitgeschichte pur, verpackt in sehr persönliche Erinnerungen. Und Elfriede Ott präsentierte das leicht und locker, in der ihr eigenen einfühlsamen Art. Und mit jener leisen Wehmut, jenem Humor, jenem Wissen um die Bedeutung der Ereignisse, jenem nostalgischen Flair, das doch den kritischen Blick nicht trübt, wie sie eben den Menschen unserer Stadt, unseres Landes gegeben sind.