Donnerstag ist Podcast-Tag in der virtuellen "Pension Schöller". Für deren Betreiber Rudi Schöller bedeutet das, dass der Schauspieler und Kabarettist loszieht und Kollegen besucht, mit denen er für seinen Podcast "Pension Schöller" (www.rudischoeller.at/podcast) ein Plauderstündchen hält - und zwar im wahrsten Sinn des Wortes, denn die Gespräche dauern jeweils etwa eine Stunde, einige auch länger.

Gesprächspartner zu finden, ist bisher kein Problem, haben doch alle Bühnenkünstler viel mehr Zeit, als ihnen lieb ist. Und so haben alle potenziellen Gastgeber, die Schöller angefragt hat, mit Freude zugesagt. Den Anfang hat - wer sonst? - sein "Wir sind Kaiser"-Spezi Robert Palfrader gemacht (zur Erinnerung: Schöller gab den stummen Lakai Vormärz). In der Folge war Schöller auch bei Viktor Gernot, Eva Marold, Gery Seidl oder Thomas Stipsits zuhause, natürlich stets Corona-konform. Vergangene Woche hat er mit der zehnten Folge ein kleines Jubiläum gefeiert.

Ums Geld Verdienen geht es ihm bei dem Projekt nicht, betont Schöller. "Ich glaube, es käme auch beim Publikum nicht gut an, wenn ich gleich mit Werbeeinschaltungen oder Ähnlichem starten würde", meint er. In erster Linie wollte er eine neue Plattform für Präsenz schaffen, ausgehend von seinem eigenen Künstlerschicksal: "Mein neues Programm hatte im März 2020 Premiere, dann gab es vielleicht zehn Vorstellungen - und dann kam der Lockdown", erzählt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Jeder Tag, an dem man nicht arbeiten kann, tut schon weh", sagt Schöller, den selbst zum Glück noch keine Existenzsorgen plagen. Auch, weil er recht bescheiden lebt, wie er erklärt. Und dank Podcast wird ihm jetzt zumindest nicht langweilig. Zur Vorbereitung gehört auch, die Programme der Kollegen, die er interviewt, zu studieren. Wobei er, seit jeher ein glühender Kabarettfan, laut eigener Aussage schon sehr viele Programme sehr vieler Kabarettisten gesehen hat, etliche davon live im Publikum.

Wie "Frühstück bei mir", nur ohne Ö3-Musik dazwischen

Die Idee ist in Österreich noch recht neu. "In Deutschland gibt es schon sehr viele Comedy-Podcasts", sagt Schöller, "und in den USA hat spätestens seit dem Lockdown fast jeder Comedian seinen eigenen." Für ihn ist das Internetradio auch ein bisschen eine Rückkehr zu den Wurzeln, war er doch früher beim Radiosender FM4 tätig. Das Internet hat freilich den Vorteil, dass es im Gegensatz zu Radiosendungen kein Zeitlimit gibt. Und so kann eine Folge auch schon einmal eineinhalb Stunden dauern.

Das Konzept ist dabei immer gleich: Jede Folge beginnt als Künstlerinterview über Kabarett im Allgemeinen und das jeweilige Programm und driftet dann in eine beinahe private Plauderei ab, ehe den Schlusspunkt das "Pension Schöller Frühstücksbuffet" bildet: "Das ist eine Rubrik, in der meine Gäste zwischen Tee und Kaffee wählen, zwischen Kabarett und Comedy und so weiter", erläutert der Podcast-Host. Insofern ist das Ganze eine Art "Frühstück bei mir", nur eben ohne Ö3-Musik zwischendurch. Und nach dem Hineinhören in die ersten zehn Folgen kommt man nicht umhin, dem Podcast zu wünschen, dass Schöller auch dann noch damit weitermacht, wenn er wieder vor echtem Live-Publikum auf einer Bühne stehen darf.