Auch die Staatsoper plant - sollten die Wiener Regelungen das zulassen -, am 19. Mai wieder den Spielbetrieb zu starten. Ab dem 26. Mai will man den ursprünglich präsentierten Spielplan wieder aufnehmen. Zu sehen sind einige Premieren sowie Publikumspremieren der in den Schließmonaten aufgezeichneten Werke. In den sechs Wochen bis zum Ende der Saison wird die Staatsoper dem Publikum sechs Premieren bieten. "Es war ein Gewaltakt", unterstrich Direktor Bogdan Roščić am Mittwoch in einem Mediengespräch die Herausforderung, die das verhältnismäßig schnelle Hochfahren bedeute.

"Es ist selbst für den 19. Mai in Wahrheit schon zu spät", so Roščić, weshalb man die einstmals präsentierte Programmierung zwischen 19. und 25. Mai ändern musste. Was in dieser ersten Woche erhalten bleiben soll, ist die Premiere von Monteverdis "L’incoronazione di Poppea" in der Regie von Jan Lauwers mit dem Concentus Musicus Wien unter Pablo Heras-Casado am 22. Mai. Am 24. Mai ist der "Barbier für Kinder" und damit die erste Kinderopernpremiere der neuen Direktion angesetzt. In weiterer Folge soll es wie vorgesehen am 10. Juni einen neuen "Macbeth" mit Anna Netrebko und am 26. Juni die Ballettpremiere "Tänze Bilder Sinfonien" geben.

Ab dem 26. Mai will man den ursprünglich präsentierten Spielplan wieder aufnehmen. - © apa / Michael Pöhn
Ab dem 26. Mai will man den ursprünglich präsentierten Spielplan wieder aufnehmen. - © apa / Michael Pöhn

"Faust" zum Auftakt

Den Auftakt macht hingegen der "Faust", der am Donnerstag aufgezeichnet und am 9. Mai auf ORF III ausgestrahlt wird - sollte Wien die Öffnung zum 19. Mai erlauben. Dank der Skepsis von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ist der 19. Mai für die Staatsoper schließlich nicht in Stein gemeißelt. "Die Lage, was Wien betrifft, könnte für uns nicht herausfordernder sein", machte Roščić klar. Aber ein Zuwarten wäre dennoch fahrlässig: "Wir hoffen einfach - aber mehr ist es nicht." Sollte man wieder Termine absagen müssen, gäbe es für die freien Künstler wie schon zuvor Abschlagszahlungen von ungefähr 25 Prozent.

Eine Verlängerung der Saison über Ende Juni hinaus sei im Gegenzug für eine Staatsoper nicht möglich, wenn man bedenke, dass etwa das Orchester und ein guter Teil des Chores bei den Salzburger Festspielen im Einsatz seien. Deshalb könne man hier dem Vorbild von Konzerthäusern wie dem Musikverein nicht folgen. "Der Musikverein bucht tourende Künstler. Wir sind ein Haus, das selbst spielt", so Roščić. In diesem Zusammenhang warb der Opernchef auch für einen Impfvorzug für Chor, Solisten oder Ballett, die schließlich stark gefährdet seien in ihrer Berufsausübung. "Wir wollen, dass anerkannt wird, dass das ein Hochrisikoberuf ist."

In jedem Falle werde mit dem heutigen Tag der Vorverkauf wieder gestartet, wobei man zunächst 940 Sitzplätze in den Verkauf gibt, wie die kaufmännische Direktorin Petra Bohuslav ankündigte. Eventuell könne dieses Kontingent noch aufgestockt werden, da derzeit noch unklar sei, ob man die Hälfte der vorhandenen Sitzplätze oder die Hälfte der gesamten Saalkapazität verkaufen dürfe. Inklusive der Stehplätze fasst die Staatsoper im Normalbetrieb 2.276 Menschen.

"Es ist schon sehr sportlich, den Kartenverkauf wieder anzukurbeln", unterstrich Bohuslav. Und auch Direktor Roščić hob die finanzielle Belastung für sein Haus hervor, sei man mit beinahe 50 Prozent Eigendeckungsgrad doch extrem auf den Kartenverkauf angewiesen: "Die Staatsoper ist das am schwersten betroffene Haus in Wien - weil sie in den vergangenen Jahren so erfolgreich war."

Die kommende Spielzeit 2021/22 wird am 3. Juni auf der Bühne des Hauses am Ring, ebenfalls - wenn möglich - vor Publikum, präsentiert.(apa/red)