Wenn man etwas Positives während der Corona-Pandemie und den Kultur-Lockdowns partout entdecken möchte, wird man doch fündig: Tanzfestivals, zu denen man vermutlich nicht reisen würde, finden nun digital statt. Vielleicht nicht in ihrer üblichen Programmvielfalt, aber dennoch mit einem breiten Spektrum. So etwa das alle zwei Jahre stattfindende Festival Tanz NRW, das bis 9. Mai über dringeblieben.de zu sehen ist. Geplant war das Live-Festival eigentlich mit neun Standorten im deutschen Nordrhein-Westfalen, etwa Bonn, Düsseldorf oder Wuppertal. "Das Programm wurde entsprechend angepasst, sodass das Publikum mehrere Vorstellungen an einem Tag ansehen kann - ohne eine andere Stadt besuchen zu müssen", werben die Veranstalter im Vorfeld. Wenn das nichts Gutes ist . . .

Gezeigt werden mehr als 40 Vorstellungen von 28 Kompagnien - darunter Uraufführungen, Live-streams, Installationen und Filme sowie interaktive Online-Formate: von Circus und Urban Dance über klassischen und zeitgenössischen Tanz bis hin zum Bildertheater und traditionellen Gardetanz. Auf dem Programm steht etwa "Age of Curse" der hierzulande eher unbekannten Choreografin Chikako Kaido, die sich mit der zunehmenden Digitalisierung unseres Lebens auseinandersetzt, indem sie die Unsterblichkeit unserer Daten der Endlichkeit des Lebens gegenüberstellt. Ein stilistischer Gegensatz dazu ist "Drag" der Urban-Dance-Kompanie Renegade. Hier steht der urbane Tanz Krumping im Vordergrund, der häufig als getanzte Kampfansage interpretiert wird. Er ist aber vielmehr ein Ausdruck für die Gefühlswelten der Tänzer.

In "Age of Curse" beschäftigt sich die Choreografin Chikako Kaido mit der Unsterblichkeit unserer Daten. - © Wiebke Rompel
In "Age of Curse" beschäftigt sich die Choreografin Chikako Kaido mit der Unsterblichkeit unserer Daten. - © Wiebke Rompel

Virtueller Parcours

Aber auch international bekannte Kompagnien sind online zu Gast: Ben J. Riepe ordnet seine Arbeit zwischen visuellen und darstellenden Künsten ein: Mit "Creature" lädt der Tabori-Preisträger gemeinsam mit dem renommierten Ensemble Tanztheater Wuppertal Pina Bausch zu einem virtuellen Parcours aus Performance, digitalen Medien und Ritual ein. Das Duisburg-Düsseldorfer Ballett am Rhein - die frühere Tanzheimat des jetzigen Wiener Staatsballett-Chefs Martin Schläpfer - wird die Premiere von "Step by Step" zeigen, in der unterschiedliche Tanzstile von klassischem Ballett bis Urban Dance zusammenspielen. 13 Tänzer des Ensembles erarbeiteten gemeinsam mit den Factory Artists des Tanzhaus NRW - zurzeit sind das Alfredo Zinola, Reut Shemesh und das Kollektiv nutrospektif und - ein Programm aus kurzen Stücken, installativen Formaten und Workshopkonzepten.

Neben den Produktionen können die Zuseher an dem partizipativen Festivalprojekt "Just in Time" des Künstlerduos deufert&plischke teilnehmen. In einem digitalen Workshop laden sie Tanzbegeisterte ein, Erfahrungen auszutauschen und in Bewegung zu kommen. An allen weiteren interaktiven Online-Formaten können Interessierte via Zoom teilnehmen.