"Wir wollen Theater erster Klasse spielen, so wie wir immer spielen, nicht mit Tests und Masken", sagten Renate und Peter Loidolt, die beiden Intendanten der Festspiele Reichenau gegenüber der Presse. Die Festspiele Reichenau wurden nun auch für heuer abgesagt.

Durch die coronabedingten Auflagen wäre vermutlich ein Festspielbetrieb nur mit der Hälfte der Auslastung möglich gewesen, das wirtschaftliche Defizit beziffern die Intendanten mit etwa 1,2 Millionen Euro.

Bereits 2020 wurde der Spielbetrieb im Kurort wegen der Pandemie abgesagt, ursprünglich hätte das Programm mit leichten Adaptionen im heurigen Jahr stattfinden sollen. Die Festspiele hätten planmäßig am 2. Juli mit Stefan Slupetzkys Romanbearbeitung "Arme reiche Erbin" eröffnen sollen, weiters wären Carl Zuckmayers "Des Teufels General", Nestroys "Umsonst" und "Die Wasserfälle von Slunj" auf dem Spielplan gestanden, geplant waren 85 Vorstellungen mit der gewohnten Star-Besetzung aus Wien wie unter anderem Martin Schwab, Günter Franzmeier und Mercedes Echerer.

Im Juli 1988 belebten Renate und Peter Loidolt erstmals das verwaiste Kurtheater in Reichenau. Seitdem hat das Paar die Festspiele als erfolgreiches Sommertheater etabliert, mit treuem Stammpublikum und regelmäßig ausverkauften Aufführungen. Das Intendantenpaar profitiert dabei vom kulturellen Vergangenheitskapital. In Reichenau wird die Literatur des Fin de siècle ins Zentrum gerückt: An der Jahrhundertwende logierten im Kurort Literaturgrößen wie Arthur Schnitzler, Franz Werfel und Robert Musil.

Im Jänner nahm der Rechnungshof erstmals die Festspiele Reichenau ins Visier, wobei vor allem die Förderung des Landes und die mangelnde Transparenz der Geschäftsgebarung kritisch untersucht wurden.