Während der Kultur-Lockdown in Österreich erst allmählich endet, herrscht an der königlichen Oper von Madrid seit Sommer Betrieb. Fast eine Million Euro investierte das Haus in Covid-Sicherheitskonzepte. UV-Lampen desinfizieren über Nacht den Saal. Sämtliche Wasserhähne lassen sich nun kontaktlos nützen. Sogar das Belüftungssystem wurde derart umgebaut, das es 27 Mal in der Stunde komplett die Luft austauscht.

"Dabei haben wir ein ähnliches Belüftungssystem wie in Flugzeugen installiert, bei dem die Belüftungsausgänge sich individuell unter jedem Sitzplatz befinden und die Luft von unten nach oben bewegen", versichert Operndirektor Ignacio García-Belenguer. Während all der Monate gab es nur einen Covid-Fall im Publikum, der aber keine weiteren Besucher angesteckt hatte.

Die Madrider Oper ist bei weitem kein Einzelfall. Auch in Barcelonas Gran Teatre del Liceu will der Applaus seit Monaten nicht abreißen. Zuletzt feierte der venezolanische Star-Dirigent Gustavo Dudamel mit Verdis "Otello" einen Riesenerfolg im Opernhaus der Mittelmeermetropole. Alle Aufführungen waren ausverkauft.

Konzepte wirken

Um die Sicherheitsabstände einzuhalten, belegt die Oper nur 50 Prozent ihrer 2.200 Plätze. Das Belüftungssystem wurde verbessert. Am Eingang wird das Publikum über desinfizierende Fußmatten geleitet und muss sich die Hände desinfizieren. Das Liceu öffnet bereits eineinhalb Stunden vor der Aufführung, um die Zuschauer je nach Zone gestaffelt im 15-Minuten-Takt einzulassen, dabei wird die Körpertemperatur jedes Zuschauers gemessen.

Innerhalb der Oper dürfen die Mundschutzmasken in keinem Moment abgesetzt werden. Das Personal sorgt dafür, dass sich keine Gruppen auf den Fluren bilden. In der Pause wird der Vorhang oben gelassen, damit das Publikum den Bühnenwechsel betrachtet, statt den Platz zu verlassen.

"La Traviata", "Don Giovanni", "Les Contes d’Hoffmann" - mehr als 50 Aufführungen hat das Liceu seit September veranstaltet und nicht einen einzigen Covid-Ansteckungsfall im Publikum verzeichnet. "Ein Restrisiko gibt es bei kulturellen Veranstaltungen in Innenräumen natürlich immer. Aber unsere Sicherheitskonzepte funktionieren", sagt Valentí Oviedo, Generaldirektor des Liceu.

Anscheinend funktionieren die Sicherheitskonzepte sogar besser als angenommen. Ende März fand in Barcelona Europas erstes großes Massenkonzert ohne Abstandsregeln statt. 5.000 Menschen sangen und tanzten im Palau de Sant Jordi auf dem Konzert der Indie-Popband Love of Lesbians. Es war ein Test, wie Großveranstaltungen demnächst trotz anhaltender Corona-Pandemie stattfinden können.

Alle Besucher mussten vor dem Konzert einen Antigentest machen. Der Eintritt fand über mehrere Stunden statt, gestaffelt nach Zonen. Während der Veranstaltung durften die FFP2-Masken nicht abgenommen und die zugeteilten Zonen nicht verlassen werden. Zudem installierten die Organisatoren in der für 24.000 Personen ausgelegten Halle leistungsstarke Belüftungsanlagen.

Danach wurden die Teilnehmer drei Wochen überwacht. Das Ergebnis: "Es gibt keine Anzeichen, dass es bei der Veranstaltung zu Ansteckungen kam", bestätigte der leitende Arzt der Untersuchungsergebnisse, Josep María Llibre. In den zwei Wochen nach dem Konzert wurde nur bei sechs Zuschauern eine Covid-Infektion festgestellt. Bei vier Personen war klar, dass sie sich später und außerhalb des Konzerts angesteckt hatten. Bei den anderen beiden ist der Infektionsort unbekannt.