Das öffentliche Leben kehrt langsam wieder zurück und auch die Theater können den Spielbetrieb wieder aufnehmen, im Mai und Juni ist mit einem veritablen Premierenfeuerwerk zu rechnen - vom Kellertheater bis zu den Wiener Großbühnen geht wieder überall der Vorhang hoch, einzige Ausnahme bildet das Burgtheater.

Ausgerechnet Wiens größte Sprechtheaterbühne bleibt wegen Renovierungsmaßnahmen geschlossen, das Haus am Ring erhält eine neue Bestuhlung und Klimaanlage. Auf diese Weise umgeht das Haus auch Einkommenseinbußen, denn eine der coronabedingten Sicherheitsauflagen ist die strenge Schachbrettbestuhlung, bei der die Hälfte der Sitzplätze frei bleiben muss. Nicht nur die Bühnen, auch die Theaterbesucher müssen sich auf einige neue Spielregeln einstellen: Die personalisierten Karten bleiben weiterhin, um Contact-Tracing zu ermöglichen, aber beim Eintritt muss man künftig nicht nur einen Personalausweis parat haben, sondern auch nachweislich genesen, geimpft oder getestet sein. Während der gesamten Aufführung gilt FFP2-Maskenpflicht.

Eröffnungsreigen

Aber wohin zuerst im Mai? In Wien wird derzeit wohl am drängendsten die Wiedereröffnung des Volkstheaters erwartet. Die Bühne am Weghuber-Park ist bereits seit Jänner 2020 geschlossen, zunächst wegen der umfassenden Sanierung, später wegen Corona. Neo-Intendant Kay Voges plante den Beginn seiner Intendanz für 7. Jänner 2021 und musste seine erste Spielzeit buchstäblich von Lockdown zu Lockdown verschieben - von 7. auf 18. Jänner, aus Anfang Februar wurde Anfang April, dann nach Ostern und Mitte April, bis endlich der Stichtag 19. Mai fiel.

Dazwischen gab es etwa die coronataugliche Premiere von "Black Box", ein Audiowalk durch das glanzvoll sanierte Volkstheater. Eröffnet wird nun nach Pfingsten, am Mittwoch, 26. Mai, steht Thomas Bernhards "Der Theatermacher" in der Regie von Hausherr Kay Voges auf dem Spielplan. Ein kühner wie gewitzter Saisonstart. Das Stück über eine Aufführung an einer Provinzbühne, bei der alles schiefgeht, eignet sich ganz gut als Kommentar zum Beginn einer neuen Intendanz, allerdings ist das Wiener Theaterpublikum von der Peymannschen Bernhard-Deutung geprägt. Voges dürfte die Sache ziemlich anders angehen, man darf gespannt sein.

Zwei Konzerte der Band The Notwist stehen am 29. und 30. Mai auf dem Programm. Darüber hinaus lädt Hausautorin Lydia Haider ab 28. Mai zu "Sprechstunden" in ihre "Volksordination" ins "Führerzimmer" des Theaters. Mit Samuel Becketts "Endspiel", das Voges aus seiner vorigen Wirkungsstätte Dortmund mitbringt, geht der Eröffnungsreigen weiter, bis Mitte Juni die Wiener Festwochen die Spielstätte kapern.

Auch wenn das Burgtheater zu bleibt, am Akademietheater läuft der Betrieb auf Hochtouren: Innerhalb von nur zwei Wochen kommen drei Premieren heraus, als Draufgabe noch zwei im Vestibül und eine im Kasino. Zu den Höhepunkten der Ausnahmespielzeit am Akademietheater dürfte Mateja Koležniks Inszenierung von "Fräulein Julie" zählen (19. Mai). Die slowenische Regisseurin gehört zu den neuen Stars des deutschsprachigen Theaters, in Wien hat sie zuletzt "Der Henker" inszeniert. Weiter geht es mit Oscar Wildes Komödienklassiker "Bunbury" (23. Mai) in der Inszenierung von Antonio Latella, der italienische Regisseur inszenierte in Wien zuletzt am Schauspielhaus. Schließlich setzt sich die Nachwuchsregisseurin Lucia Bihler mit Bernhards "Jagdgesellschaft" auseinander (26. Mai).

Das Theater in der Josefstadt eröffnet mit "Der Bockerer", Johannes Krisch übernimmt die Titelrolle, weiters stehen die Uraufführung "Die Stadt der Blinden" in der Regie von Stephanie Mohr (27. Mai) und Janusz Kicas Dramatisierung des Schnitzler-Romans "Der Weg ins Freie" (3. Juni) auf dem Spielplan. In den Kammerspielen läuft "Die Dreigroschenoper" mit Hausherr Herbert Föttinger und Maria Bill (3. Juni), die auf ORF III zu sehen war. Abende voll Theater.

Der Vorverkauf beginnt: Im Volkstheaterab 10. Mai, im Burgtheater und bei den Wiener Festwochen ab 14.Mai, in der Josefstadt gelten bis 18. Mai noch verkürzte Kassenzeiten.