Rund ein halbes Jahr sind die Bühnen stillgestanden, nun findet die Pandemie-Pause ihr langersehntes Ende. Ab 19. Mai dürfen die Häuser den Betrieb wieder aufnehmen und feiern ihr Frühlingserwachen mit einem opulenten Programmaufgebot.

Für Kulturfreunde gilt es dabei aber allerlei zu beachten: Die Karten bleiben weiterhin personalisiert, um ein Contact-Tracing zu ermöglichen. Außerdem muss man beim Eintritt nicht nur einen Personalausweis parat haben, sondern auch nachweislich vom Coronavirus genesen, geimpft oder getestet sein.

Wie erbringt man diese Nachweise? Ein PCR-Test gilt für maximal 72 Stunden, der Antigentest für 48 Stunden und ein Selbsttest mit digitaler Kontrolle längstens 24 Stunden (wobei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig dieser Alternative noch nicht zugestimmt hat). Genesene müssen einen offiziellen Bescheid über die Covid-19-Erkrankung innerhalb der vergangenen sechs Monate vorlegen, die Impfung gilt ab 22 Tagen nach der ersten Teilimpfung, hier legt man den Impfpass vor - akzeptiert werden dabei nur in der EU zugelassene Impfstoffe, mit "Sputnik" kann man also kein Bühnentor passieren. Während der gesamten Aufführung gilt eine FFP2-Maskenpflicht, der zugewiesene Sitzplatz darf nicht gewechselt werden, und im Theaterbereich bleiben die Buffets vorerst geschlossen. Auch muss man sich auf leere Plätze einstellen: Der Besucherbereich darf nur zur Hälfte ausgelastet sein. Laut Verordnung dürfen pro Buchung bis zu vier Erwachsene nebeneinandersitzen, zwischen den Gruppen muss links und rechts ein Platz leer sein. Zudem gilt: Um 22 Uhr ist Sperrstunde.

Die Theater

In puncto Theaterszene ergab ein Rundruf der "Wiener Zeitung", dass keine Großbühne eine eigene Testmöglichkeit anbieten wird. Auch die Josefstadt, die Anfang des Jahres dieses Vorhaben ankündigte, ist angesichts der zahlreichen Testmöglichkeiten innerhalb Wiens davon abgekommen. Derzeit führt die benachbarte Apotheke im Eingangsbereich des Theaters Tests durch; das ist allerdings eine Initiative der Apotheke und kein Service der Bühne.

Die Josefstadt eröffnet die fragmentierte Saison am 19. Mai mit einer Voraufführung von "Der Bockerer", am selben Abend gehen die Lichter im Akademietheater mit "Fräulein Julie" wieder an, das Burgtheater bleibt wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, und am 26. Mai eröffnet der neue Intendant Kay Voges am Volkstheater seine erste Spielzeit mit Thomas Bernhards "Der Theatermacher". Die Wiener Festwochen haben angekündigt, im Museumsquartier eine Teststraße für Theaterbesucher einzurichten, eröffnet wird am 3. Juni mit Heiner Goebbels Musiktheaterabenteuer "Liberté d’action". Mit Stichtag 19. Mai eröffnen auch einige Bühnen der freien Szene, darunter das Schauspielhaus mit "Odyssee". Die Bühne in der Porzellangasse bietet überdies Antigentests an, idealerweise kommen testwillige Besucher eine Stunde vorher oder buchen einen Termin auf der Homepage.

Die Musikbühnen

Auch die Musikbühnen gehen am 19. Mai gesetzeskonform in die neuen Zeiten, unterscheiden sich im Detail aber in der Umsetzung. So wird es an der Staatsoper sehr wohl Pausen mit dem gewohnten Gläsergeklirr geben. Doch Achtung: Die Buffets dürfen nur nach einer vorherigen Bestellung (über die Gerstner-App) an einem reservierten Platz genützt werden. Die Staatsoper trägt auch für eine nahe Testmöglichkeit Sorge: Das Labor Doz. DDr. Stefan Mustafa richtet in der Operngasse einen Test-Container ein, der ab 19. Mai von Montag bis Sonntag, 10 bis 19 Uhr, geöffnet ist. Zu haben sind hier (kostenpflichtige) Antigen- und PCR-Tests, für Opernbesucher zum vergünstigten Preis.

Auch die Volksoper, die für Tests die nahen Apotheken empfiehlt, wird ihr Buffet im oberen Stock und die Stände vor dem Haus öffnen; durstige Kehlen sollten hier ebenfalls reservieren. Wie im Vorjahr kommt am Währinger Gürtel ein Wegeleitsystem zum Einsatz, das die Besucher vom jeweils nächstgelegenen Eingang zum Platz lotst; die Billeteure werden täglich getestet.

Die Vereinigten Bühnen Wien wiederum - dazu gehören das Ronacher, das Theater an der Wien und die Kammeroper - lassen ihre Schmausräume bis auf weiteres verwaist; der abendliche Einlass beginnt eine Stunde vor der Vorstellung. Für einen negativen Corona-Bescheid verweisen die VBW auf das flächendeckende Testangebot der Gemeinde Wien.

Und wie halten es die Konzertbühnen? Der Wiener Musikverein öffnet seine Tore 45 Minuten vor Beginn und arbeitet ebenfalls mit einem Wegeleitsystem; ein verfrühtes Eintreffen sei unnötig, sagt Intendant Stephan Pauly. Die Konzerte finden ohne Pause und Buffet statt, die Saison wird bis in den Juli verlängert. Das Wiener Konzerthaus spielt ebenfalls ausnahmsweise bis zum Ende des ersten Ferienmonats. Auch dort verzichtet man (abgesehen von langen Programmen) auf eine Pause, die Gastronomie bleibt geschlossen. Um möglichst viele Besucher zu empfangen, werden etliche Programme zweimal am selben Tag gespielt. Das Konzerthaus betreibt zudem seine eigene Teststraße, die montags bis samstags, 10 bis 14 Uhr, geöffnet ist - aber nur für Mitglieder. Ein Test direkt vor Konzertbesuch sei aus logistischen Gründen unmöglich.

Die Kinos

Auch die Wiener Kinos freuen sich über die Möglichkeit der Öffnung, viele von ihnen sperren bereits am 19. Mai auf. Marktführer Cineplexx lässt die Multiplex-Häuser zwar vorerst geschlossen, denn: "Wir sperren erst wieder auf, sobald feststeht, welche Filme in deutscher Fassung wann zur Verfügung stehen", sagt Cineplexx-Chef Christian Langhammer. Hintergrund: Solange die Kinos in Deutschland zu sind, gibt es auch keine deutschsprachigen Filmfassungen für österreichische Kinos, da man rechtlich am deutschen Markt hängt. Aber immerhin: Langhammer öffnet in Wien die Urania und das Actors Studio mit spannender Arthaus-Filmware, darunter der vierfache Oscar-Abräumer "Nomadland" (ab 27. Mai). Hier und in vielen anderen Wiener Kinos, darunter Votiv, Filmcasino und Admiral, werden hochkarätige, bislang "liegengebliebene" Arthaus-Filme gezeigt, etwa die italienische Filmbiografie "Miss Marx", Viggo Mortensens "Falling" oder ab Juni Arman T. Riahis neuer Film "Fuchs im Bau". Auch das Österreichische Filmmuseum öffnet wieder, und zwar mit der Retrospektive "Wer zuletzt lacht... Komödien gegen die Krise". Das Filmarchiv Austria zeigt ab 19. Mai unter dem Motto "Frühlingskino" einen Querschnitt durch das österreichische Filmschaffen, einerseits als Open-Air-Reihe im Augarten, andererseits in der Spielstätte im Metrokino. Das Autokino in Großenzersdorf wartet noch zu, denn die frühe Sperrstunde um 22 Uhr ist für die Betreiber noch ein Hindernis für später angesetzte Abendvorstellungen.

Für Kinosäle gelten die gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie im Theater, vom Abstand bis zur 3G-Regel, jedoch verkauft man in den Cineplexx-Kinos Urania und Actors sehr wohl Popcorn, Nachos und Getränke. "Diese dürfen nur am Platz während der Filmvorführung konsumiert werden", heißt es. Wer gerade keine Nachos isst, muss die FFP2-Maske allerdings während des gesamten Films tragen. Getestet wird bei Urania und Actors aber nicht. Auch das Wiener Haydn-Kino bietet keine Tests an, denn: "Es gibt inzwischen genügend Teststraßen, und außerdem bräuchte man zusätzliches Personal für so ein Angebot", sagt Haydn-Chef Christian Dörfler.