Die heiteren bis amüsanten Choreografien von Jerome Robbins für das New York City Ballet (NYCB) sind leicht konsumierbare Ballette, in der Mitte fesselt das delikate "Duo Concertant", ein Gespräch zwischen Tanz und Musik. So ist dieser Abend mit "Glass Pieces", "A Suite of Dances", "The Concert" von Robbins und "Duo Concertant" von George Balanchine wohlgeraten, ohne das alteingesessene Ballettpublikum zu schockieren.

Lautstark zeigt es seine Begeisterung. "Glass Pieces" zur rhythmisierten Musik von Philipp Glass, elektrisiert am Beginn, vermittelt das, was jetzt notwendig ist: ritualisierte Energie samt einem Gefühl von Freiheit. Die feinabgestimmten, leuchtenden Farben der Kostüme von Ben Benson, die wiederkehrenden Rhythmen und Verschiebungen in Glass’ Musik werden vom Ensemble gespiegelt und ergeben eine dynamische Architektur. Alltagsbewegungen und Modern Dance ergänzen das neoklassische Ballettvokabular.

Das ideale Paar

Im Mittelteil begeistert das ideale Paar, Nina Poláková und Roman Lazik, in einem innigen Solo zur Glass-typischen Kantilene des Sopransaxophons. Im Hintergrund tanzen Ballerinen als Schatten in einer Linie quer über die Bühne. Danach explodiert das Ensemble im strahlenden Licht. Ein rauschhaftes Ende. Neu für das ballettaffine Publikum ist das von Jerome Robbins 1994 für Michail Baryshnikov kreierte Solo "Suite of Dances" zu Ausschnitten aus Johann Sebastian Bachs Suiten für Violoncello solo. Ein Tänzer antwortet dem Cello. Ditta Rohmann spielt Gigue und Sarabande, eingerahmt von zwei Préludes, Davide Dato interpretiert die Musik auf seine unnachahmliche Weise, geschmeidig und kraftvoll. Schon in jungen Jahr hat Dato das Publikum durch seine Bühnenpräsenz und Ausdruckskraft eroberte. In der "Suite" tanzt er, selbstvergessen der Musik lauschend, mit einer Leichtigkeit, ja scheinbar Lässigkeit, als wären nicht Bach und Robbins die Meister, sondern sein improvisierender Körper.

Körper in Bewegung setzen

Balanchines "Duo Concertant" zur gleichnamigen Komposition von Igor Strawinsky war in Wien 1976 an zwei Abenden zu sehen. Das Solistenpaar der Uraufführung 1972 in New York, Kay Mazzo und Peter Martins, gastierte in der Staatsoper. In der Einstudierung von Peter Huys antworten nun Liudmila Konovalova und Masayu Kimoto auf Klavier (Cécile Restier) und Violine (Fedor Rudin). Nicht sofort. Im ersten Satz lehnt das Paar am Piano und lauscht dem Dialog der Instrumente. Dann werden die Körper von der Musik in Bewegung gesetzt. Strawinsky behält eindeutig das Sagen, immer wieder hält das Paar an, hört auf die Musik. Nach einem Blackout tanzen Konovalova und Kimoto unter der Lichtkaskade der Spots das Finale. Der Danseur kniet vor der Ballerina. So soll es sein.

Heiter beginnt der Abend und fröhlich klingt er aus. "The Concert" ist eine gelungene Parodie auf das Konzertpublikum und auch auf das Ballett. Nicht so einfach zu tanzen, wie es aussieht. Clare Grundman hat das Pasticcio aus Klavierwerken von Frédéric Chopin orchestriert, Benjamin Pope debütiert als Dirigent das Staatsopernorchester.