Lisa ist kein glückliches Kind. Die Eltern sitzen nur noch auf dem Sofa und hören Musik, seit sie arbeitslos sind. Geredet wird nicht. Die Lehrerin hält die begabte Schülerin für höchst sonderbar, Lisa langweilt sich. Freunde hat das Mädchen keine. Lisas Tag gleicht einem Hürdenlauf, bei dem sie Erniedrigungen und Quälereien anderer Kinder zu umschiffen sucht. Glücklich ist sie nur, wenn sie in Büchern und Gedanken durch fremde Galaxien reist und den Nachthimmel mit ihrem selbst gebauten Computer nach fremden Wesen aus fernen Welten absucht. Bis ein kleines grünes, auf der Erde gestrandetes Wesen in ihr Leben tritt, dem sie den Namen Walter gibt.

Schriftstellerin Sibylle Berg hat mit "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter" ein wunderbares Familienstück geschrieben, ihr erstes Stück für junges Publikum. Da sie dabei auf die Schablonen des Genres verzichtet und auch dramaturgisch eigene Wege geht, ist ein vielschichtiger Text entstanden, der allen Altersstufen (ab etwa acht Jahren) Anknüpfungspunkte bietet. Im Zentrum stehen der Wert der Freundschaft und die aus ihr erwachsende Fähigkeit, die Perspektive auf das eigene Leben zu verändern und damit aussichtslose Situationen erträglicher zu machen, ja gar zum Besseren zu verwandeln.

Lisas grüner Freund Walter bringt nicht nur deren Eltern zum Umdenken. - © Niko Havranek
Lisas grüner Freund Walter bringt nicht nur deren Eltern zum Umdenken. - © Niko Havranek

Regisseur und Puppenbauer Richard Panzenböck hat für die 65 Minuten dauernde Produktion im Vestibül einen flexiblen Paravent mit Türchen gebaut, den Pia Zimmermann - sie trifft den Tonfall der 8-jährigen Lisa unaufgeregt selbstverständlich - und Ludwig Wendelin Weißenberger (als "Universalmensch" schlüpft er mithilfe von Puppen leichtfüßig in sämtliche andere Rollen) spielerisch umkreisen und bespielen.

Eine fantasievoll kurzweilige Produktion, die nicht nur Lisas Eltern zum Nachdenken bringt.