Gut, dass es Butler Lane gibt. Ohne den wüsste man oft gar nicht, was passiert. Denn die Inszenierung von Oscar Wildes "Bunbury", die am Sonntag im Akademietheater Premiere feierte, spielt (wieder einmal) im karg eingerichteten Bühnenbild (Annelisa Zaccheria). Es gibt zwei Theatersessel, eine Ballettstange und ein Klavier, das bei Bedarf reingerollt wird. Requisiten braucht man ja auch nicht, wenn man einen Bediensteten hat, der Regieanweisungen à la "setzt sich aufs Sofa" vorliest.

Gut, Regisseur Antonio Latella, so denkt man zu Beginn, wollte wohl die Konversation im Konversationsstück von allzu viel materiellem Brimborium befreien. Nur, die Konversation und Interaktion der Figuren miteinander scheint ihn auch wenig zu interessieren, deklamieren diese doch großteils hin zum Publikum. Und wenn Regina Fritsch als Lady Bracknell mit gigantischem Federhut auftritt, dann schreit das Brimborium doch wieder laut "Hallo!".

Groteske Schauspielführung

Mit "Bunbury" hat Oscar Wilde ein elegantes Verwirrspiel und eine scharfzüngige Gesellschaftskritik gleichermaßen geschrieben. Algernon und Jack erfinden jeweils zwei Freunde, um ungestört Vergnügungen nachzugehen. Tim Werths spielt Algernon, der den titelgebenden Bunbury herbeifantasiert, Florian Teichtmeister spielt Jack, der einen Bruder namens Ernst erdichtet - und sich am Ende als ebenjener selbst herausstellt. Praktisch, ist er so doch ein adäquater Bräutigam, weil er eine Abstammung vorweisen kann. Und auch, weil er Ernst heißt. Teichtmeister geht tatsächlich mit besonderer Ernsthaftigkeit an seinen Part. Das sticht hervor in einer durch Groteske gekennzeichneten Schauspielführung. Tim Werths setzt seine schlaksige Körperlichkeit für einen hektisch-überdrehten Algernon ideal ein. Mavie Hörbigers Gwendolen verbindet Leidenschaft mit angetackertem Grinsen und ist vor allem oft die mädchenhaft-beleidigte Leberwurst. Regina Fritschs übliche Schauspielwucht als Lady Bracknell wird regelmäßig von Regieeinfällen unterbrochen und sabotiert.

Andrea Wenzl spielt die Cecily nahezu psychotisch, sie tritt zusammen mit Pastor Chasuble (Max Gindorff) und der Erzieherin Miss Prism (Mehmet Ateşçi) erst als Band im Paillettenanzug auf. Ateşçi singt den düsteren Song "Party Girl" von Michelle Gurevich und gibt seine/ihre Beteiligung an Jack/Ernsts Lebenslauf - sie hat ihn in einer Tasche vergessen - im hysterischen Nervenzusammenbruch zu. Die Genderverwirrung in "Bunbury" mit tatsächlich verkehrter Geschlechterbesetzung zu thematisieren, ist keine revolutionäre Interpretation. In Zeiten, in denen Frauen immer noch über zu wenige gute Rollen in bestimmten Bereichen klagen, sich ausgerechnet dafür zu entscheiden, eine Frauenrolle mit einem Mann zu besetzen und nicht vielleicht umgekehrt, hinterlässt zumindest theater-gesellschaftspolitisch einen schalen Nachgeschmack.

Zumal es sich auch hier nur um eine von unzähligen aneinandergereihten Regie-Ideen handelt, die sich nie zu einem fundierten Ganzen zusammenfügen. Die Spannung, welches Versatzstück aus dem Fundus noch hervorgekramt wird, ist auch endenwollend: Eine Auftrittsszene wird endlos wiederholt, wie ein Zurückspulen im Film laufen auch Schauspieler und Musik rückwärts. Es gibt eine Charleston-Tanz-Einlage und ferngesteuerte Ratten. Man stöhnt im Chor orgiastisch. Das Ensemble reiht sich an der Ballettstange auf, macht entsprechende Übungen, und jeder ergreift im Gespräch mit Lady Bracknell immer wieder die Flucht in den Bühnenhintergrund. All dies scheitert daran, dem Stück etwas hinzuzufügen, es macht es im Gegenteil lähmend und nimmt ihm die Leichtigkeit und den Humor.

Das Motiv des Doppellebens spielte auch in Wildes Vita eine verhängnisvolle Rolle. Latella zieht die sexuellen Anspielungen im Stück mit dem Neonleuchtstift nach. Die gleichgeschlechtlichen Paarungen scheinen hier mehr Gefallen aneinander zu finden als die heterosexuellen. Aber auch wenn sich Cecily und Gwendolen energisch küssen, ist das keine stringente Interpretation, sondern nur ein Einwurf. Es ist "Gay Moment Nr. 3", wie Lane (Marcel Heuperman) aus dem Off betont.

In einer A-Cappella-Nummer zerlegt das Ensemble in Beatbox-Manier das Wort "Bunbury" in die Einzelteile. Ein Hinweis auf seine Herkunft: Laut Programmheft war es ein Londoner Slangwort für ein Schwulenbordell, in dem man - "bury in a bun" - "etwas in einem Hintern vergräbt". Latella ist etwas anderes gelungen, ein "Funbury" - er hat den Spaß an diesem Stück begraben.