Wie bereitet man große Oper für ein junges Publikum auf? Man streicht den Plot auf eine Stunde zusammen und schreibt das Libretto neu auf Deutsch. Man lässt die musikalischen Schmankerl erstrahlen, führt einen Erzähler-Clown ein, der die dramaturgischem Lücken füllt und setzt optisch auf möglichst knallige Farben und überzeichnetes Spiel. Es soll ja schließlich lustig aussehen und Kinder ansprechen. Fertig ist die Kinderopern-Schablone.

Die Wiener Staatsoper hat für die Produktion "Der Barbier für Kinder" nun Gioachino Rossinis "Il barbiere di Siviglia" entsprechend dieser Methode bearbeitet. Der 80-minütige, solide gearbeitete und überzogen knallbunte Opernspaß in der Fassung von Alexander Krampe hat jedoch dramaturgische Schwächen und Längen. Das Bühnenorchester des Hauses präsentiert unter der Leitung von Markus Henn einen schnittig, flotten Rossini, die jungen Sänger - viele von ihnen Mitglieder des Opernstudios - lassen durch Talentproben aufhorchen. Vor allem von Mezzosopranistin Patricia Nolz (Rosina) und Bariton Michael Arivoy (Figaro) will man gerne mehr hören. Die Regie von Grischa Asagaroff ist konventionell und fügt sich in das Schablonenhafte gut ein. Andy Hallwaxx ist ein Erzähler der Alten Schule.

Talentproben des Opernstudios: Patricia Nolz, Michael Arivony. - © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn
Talentproben des Opernstudios: Patricia Nolz, Michael Arivony. - © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Junge Opernbesucher ernst zu nehmen, bedeutet dieser Weg nicht. Ganz im Gegenteil, es spricht ihnen die Fähigkeit des Staunens, der Fantasie ab. Und präsentiert ihnen - zweidimensional vor dem Eisernen Vorhang und mit wackeligen Stellwänden gespielt - eine absolute Schmalvariante des Zauber- und Wunderkastens Musiktheater. Kindern ist deutlich mehr Komplexität und Tiefgang zuzumuten.