Wien. "Das Volkstheater war eineinhalb Jahre geschlossen, ich empfinde das als Chance", sagt Kay Voges, der neue Volkstheater-Intendant bei der Programmpräsentation für die kommende Spielzeit. "Es ist wie ein Neustart, ich spüre Aufbruchstimmung und Neugier des Wiener Publikums."

Die laufende Spielzeit konnte wegen der coronabedingten Spielpause erst am 19. Mai beginnen und ist auch schon wieder vorbei. Im Volkstheater gibt es derzeit keine Vorstellungen mehr, Mitte Juni ziehen zunächst die Festwochen, später das Impuls-Tanzfestival ein.

Läuft alles nach Plan, startet Voges am 3. September mit Wolfram Lotz Stück "Die Politiker" in seine erste richtige Spielzeit in Wien. Der Hausherr selbst wird Lotz’ prägnante Gegenwartsdiagnose inszenieren. Weitere Premierentermine werden erst Mitte August veröffentlicht, aber es wird im neu renovierten Haupthaus im rasanten Tempo weitergehen: Dostojewskis Romanbearbeitung "Erniedrigte und Beleidigte" in der Regie von Sascha Hawemann steht am Spielplan sowie Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen" und das bereits für diese Saison angekündigte Susanne Kennedy-Gastspiel "Drei Schwestern". Die von der Kritik gelobte Volksbühnen-Regisseurin wird in der kommenden Saison noch die Virtual Reality-Premiere "I am (VR)" mit Markus Selg herausbringen. Überhaupt dürfte Netztheater ein Schwerpunkt der neuen Direktion werden. In der neu ins Leben gerufenen VT/Dunkelkammer ist noch Philip Grönings VR-Projekt "Oktoberfest Phantom" angekündigt.

Von Holzinger bis Meese

Auch mit österreichischer Dramatik setzt sich Voges Spielplan intensiv auseinander: Ernst Jandls "ich hab geblutet vor freude", in der Regie von Claudia Bauer, ein Doppelabend mit Elfriede Jelinek und Fiston Mwanza Mujila zum Thema Alpen in der Regie von Claudia Bossard sowie ein Ödön von Horváth-Projekt der New Yorker Theaterformation Nature Theatre of Oklahoma stehen am Spielplan. Mit der Subversions-Schreiberin Lydia Haider will das Volkstheater eine längerfristige künstlerische Zusammenarbeit eingehen. In der Saison 21/22 ist die 35-jährige Autorin gleich mit mehreren Projekten am Start, darunter zwei Uraufführungen in der VT/Dunkelkammer: "Zertretung - 1" und "Zertretung - 2". Der neue Intendant bezieht verstärkt auch bildende Künstler in sein Programm ein. Jonathan Meese wird seine szenische "Lolita"-Übermalung in Wien fortsetzen; der isländische Maler und Bildhauer Ragnar Kjartansson wird mit "Der Klang der Offenbarung des Göttlichen" ein Musiktheaterprojekt mit den Wiener Symphonikern auf die Bühne wuchten. Nicht nur bildende Künstler, auch Tänzer sind mit von der Partie, etwa in Florentina Holzinger Gastspiel "Etude for an emergency". Das Musiktheater dominiert die Nebenspielstätte VT/Volx in Margareten: Marius Schölz beabsichtigt unter dem Titel "Oh Darling Darling - Don‘t be such a Baby" die Operette neu zu erfinden und Regisseur Paul-Georg Dittrich wird sich mit "Ich bin Carmen und das ist kein Liebeslied" Bizet zur Brust nehmen.

Für 21/22 sind im Volkstheater und all seinen Spielstätten an die 30 Premieren geplant. Intendant Kay Voges: "Wir freuen uns darauf, endlich richtig loszulegen."