Wo andere aus tiefster Seele ein herzhaftes "Oida!" ausstoßen, da ertönt bei Stefan Haider ein imbrünstiges "Halleluja!" Kein Wunder, ist er doch Religionslehrer, und die fluchen doch nie, führen ein gottgefälliges Leben, denken keine bösen Gedanken . . .

Das glauben Sie aber eh nicht, gell? Denn Stefan Haider ist natürlich in erster Linie kein perfekter Religionslehrer, sondern ein unperfekter Mensch. Als solcher hat er wie alle anderen auch die Corona-Pandemie durchlebt. Und weil er drittens auch Kabarettist ist, steht er nun nach den ganzen Lockdowns endlich wieder auf der Bühne und lässt die vergangenen 15 Monate satirisch Revue passieren. Denn das Virus ist bei seiner Premiere in Viktor Gernots neuer Praterbühne nicht nur vom Einlass bis zum Klogang in der Pause allgegenwärtig, sondern auch inhaltlich im Programm.

Viktor Gernots neue Praterbühne bewährt sich als Sommerlocation. - © Moni Fellner
Viktor Gernots neue Praterbühne bewährt sich als Sommerlocation. - © Moni Fellner

Aber keine Sorge, sein großes Thema - das freilich aktuell unweigerlich mit Corona zusammenhängt - ist und bleibt die Schule. Und so plaudert der Herr Lehrer immer wieder auch über das, was seine Schüler so alles von sich geben oder anstellen. Dazwischen schaut er Trash-TV, betreibt Bibelexegese und spielt berühmte Lieder an. Denn ohne E-Bass geht er auf keine Bühne. Die Erklärung dafür ist eine Pointe für sich. Und die kommt genauso daher wie alle anderen: mit einem feinen Lächeln auf den Lippen und sehr spitzer Zunge dahinter. Oft fällt erst aufs zweite Hinhören auf, wie bitterböse (wenngleich nie verletzend) sein Humor sein kann. Und unterhaltsam ist er sowieso.