Die Frage, was sein Stück eigentlich mit Virginia Woolf zu tun habe, beantwortete Edward Albee mit einer Gegenfrage: "Wer hat Angst, sein Leben ohne Illusionen zu leben?" In "Wer hat Angst vor Virginia Woolf", 1962 uraufgeführt und heute wohl das bekannteste Werk des vor fünf Jahren verstorbenen US-amerikanischen Dramatikers, geht es um eine ganze Bibliothek an angstschürenden Lebensillusionen, die in der Parallelwelt einer Eliteuniversität über den dramatischen Kamm geschert werden.

Zwei Ehepaare, die nicht nur zwei Dekaden Leben trennen, treffen nach einer offiziellen Feier zu einem nächtlichen Kennenlernen zusammen. Was dabei an Lügen, Angst und Leid aufbricht, ist am Ende nicht mehr zu kitten, nicht durch Alkohol und nicht durch Worte. Regisseurin Susanne Lietzow verlegt in ihrer Interpretation den vielbödigen Ehekrieg in die kalte Eislandschaft einer von langen, trüben Plastikplanen verhängten gesellschaftlichen Tiefkühlhalle (Ausstattung: Marie-Luise Lichtenthal), in der der prall gefüllte, hart beleuchtete Getränkeschrank die meiste Zeit des Abends sein Licht auf die sich bald schon martialisch zwischen vier anthrazitfarbenen Riesenpölstern befehdenden Menschen wirft.

Lietzow lässt rasch Contenance und Hüllen und am Höhepunkt auch die Darsteller übereinander her fallen, es wird inbrünstig gesungen und mit Gläsern und Kleidung geworfen. Dabei bleibt so einiges an der Dichte des Textes auf der Strecke, die zeitweisen Längen vergisst man aber, wenn Michaela Kaspar in ihrem Endmonolog die zeitlose Tragik des Stücks noch einmal ganz zu greifen vermag.