Christine Teichmann, Gewinnerin der Kabarett-Talenteshow 2020 und des Jurypreises beim Freistädter Frischling 2019, führt in ihrem neuen Solo "Links Rechts Menschenrecht" ein Wirtshaus: den Gasthof zum Menschenrecht, der akut von Zwangsräumung und Abriss bedroht ist. Aber noch steht das baufällige Gemäuer, dessen Fundament auch ohne Bulldozer schon gehörig wackelt. Und noch liegen auf den Tischen die Speisekarten herum, auf denen die 30 Punkte der UN-Menschenrechtskonvention zu lesen sind.

Plakativ, aber nicht plump

Die Gastwirtin gibt also nicht auf und rattert unbeeindruckt die sämtlichen Inhaltsstoffe und Geschmacksrichtungen herunter, dass man kaum mitkommt. Dazu gibt es quasi als Aperitif, um sich gleich einmal den Appetit zu verderben, ein Gläschen Covid-19. Getreu dem Titel arbeitet sich Teichmann an Linken, Rechten und anderen Gut- und Schlechtmenschen ab. Wie sie große soziale und politische Themen in bitterböser, aber unaufgeregter Politsatire auf ihrem schon leicht angestaubten Tablett serviert, das hat schon Klasse. Nur manchmal redet sie sich dann doch in Rage. Wenn sie mit einem Schachspiel globale Ungleichheit und Postkolianismus anschaulich macht, kassiert sie Lacher - die dem Publikum im Hals stecken bleiben. Moderne Sklaverei prangert sie plakativ, aber nicht plump an. Auch sonst ist der Abend eine einzige große Entlarvung in alle mögliche Richtungen, über der zwei große Frage bedeutungsschwer schweben: Was ist nicht käuflich? Und wie schützen wir die Menschenrechte? Befriedigende Antworten hat auch Teichmann nicht so leicht bei der Hand. Aber sie lässt ihr Publikum nach dem Lokalbesuch daheim weiter darüber nachdenken.