Das Stichwort "Podcast" ergibt bei Google mehr als eine Milliarde Einträge. Die Medienbeiträge, meist in Form von Audio- oder Videodateien, die über digitale Endgeräte abgerufen werden können, sind offenbar phänomenal populär. Der Boom hält seit gut 15 Jahren an, ein Ende ist nicht in Sicht. Das Podcast-Angebot ist nicht mehr zu überblicken; in den USA erzielen einzelne Episoden Abrufe in Millionenhöhe. Inmitten der wildwuchernden Online-Landschaft haben sich inzwischen auch etliche Theater-Podcasts etabliert.

Am 23. April 2020 ging etwa die erste Episode von "abgespielt" online. Host ist Josefstadt-Schauspielerin Lisa Weidenmüller, die das Tool gemeinsam mit ihren Kollegen Florian Stohr und Tobias Voigt aus Eigeninitiative und ohne finanzielle Unterstützung betreibt. "Wir waren mitten im ersten Lockdown. Alle saßen zu Hause, die Bühnen waren zu - und ich habe mich gefragt: Wie geht es den anderen?", erinnert sich Weidenmüller im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "abgespielt", entstanden in der Notlage der Corona-Zwangspause, listet aktuell 30 Episoden, die Themenauswahl ist breit gefächert: Die Autorin Marlene Streeruwitz kommt ebenso zu Wort wie Bühnenbildner und -musiker; im Mai wurde zudem mit dem Netztheater-Projekt "Perspectives Unboxed" im Rahmen des Berliner Theatertreffens kooperiert.

Begegnungen

Die 30-minütigen "abgespielt"-Folgen hören sich wie ein Gespräch unter Kollegen an: Ohne journalistische Distanz melden sich Theaterpraktiker über ihr Metier zu Wort. Da kann es durchaus zu intimen Bekenntnissen kommen - wie in der Episode über das prekäre Arbeitsleben freischaffender Künstlerinnen und Künstler, etwa dann, wenn die Akteurin Pauline Knof sagt: "Wenn man nur noch kämpft, um über die Runden zu kommen, ist das wahnsinnig schwer, die Freude am Spielen nicht zu verlieren - was für mich das Wichtigste ist." Das "abgespielt"-Trio beabsichtigt, den Self-Made-Podcast fortzuführen. Macherin Weidenmüller sagt: "Wir haben noch viel vor."

Podcasts sind vergleichsweise leicht herstellbar, die Kosten für die Wartung der Audio-Files ist überschaubar. Dennoch ist das Gros im Umfeld großer Institutionen und Medienhäuser angesiedelt. Das Red-Bull-Verlagshaus kündigte bereits den Interview-Podcast "BÜHNE - Hier spielt das Leben" mit Stars der Wiener Theaterszene an. In Wien ziehen einzelne Bühnen nach und folgen damit einer internationalen Entwicklung; zahlreiche Theater vermitteln dabei Einblicke in ihre Arbeit. Stream und Podcast werden an vielen Häusern längst zusammengedacht: als PR-Instrument für die Publikumsbindung. Das Burgtheater hat mit "Apropos Gegenwart" eine Online-Gesprächsreihe mit Gästen (wie der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot) veröffentlicht. Die Wiener Festwochen bieten, moderiert von ORF-Journalistin Clarissa Stadler, Künstler- und Künstlerinnen-Interviews an.

Journalistisch fundierter, inhaltlich brisanter und formal näher am Radiofeature als am unplugged Geplauder ist "Der Theaterpodcast" angesiedelt. Einmal pro Monat moderieren Susanne Burkhardt von Deutschlandfunk Kultur und Elena Philipp vom Online-Portal nachtkritik.de die 30-minütige Sendung.

"Der Theaterpodcast" bietet seit drei Jahren und 37 Folgen einen Streifzug durch strukturelle Theaterkampfzonen (meToo, Machtmissbrauch, Inklusion), greift ästhetische Entwicklungen (Netztheater) auf und bringt Künstlerporträts (Herbert Fritsch). Im Vorjahr wurden Burkhardt und Philipp eingeladen, in Göttingen die Vorlesung für Literaturkritik zu halten. Ein Durchbruch: Erstmals wurde ein Podcast-Team mit dieser renommierten Aufgabe betraut.

Was macht einen Podcast also aus? "Es ist ein offenes, leicht zugängliches Format, bei dem die Menschen im Vordergrund stehen", sagt Elena Philipp von "Theaterpodcast". Lisa Weidenmüller von "abgespielt" ergänzt: "Es geht um die Begegnung und den Versuch, miteinander wirklich ins Gespräch zu kommen."