Zehn Takte, mehr braucht es an diesem heißen Samstagnachmittag in der Wiener Staatsoper nicht, um die Sommerhitze wegzuwischen. Diesen zehn Takten silbrig schwebenden Streicherklanges aus dem "Lohengrin"-vorspiel gelingt es binnen Sekunden, die glühende Stadt vor den Türen vergessen zu machen und gänzlich in Wagners Klangkosmos zu entführen. Schon mit diesen ersten Takten gelingt es Cornelius Meister am Pult des konzentrierten Orchesters, einen höchst dynamischen Spannungsbogen zu eröffnen, der im Verlauf des Abends nicht mehr abreißt.

Dass ihm das gelingt, liegt beim Auftakt dieser "Lohengrin"-Spielserie am Samstag auch an den Solistinnen und Solisten, allesamt auch überzeugende Darsteller. Klaus Florian Vogt beherrscht nach wie vor die Bandbreite vom berückenden Piano bis zum strahlenden Heldenton als Lohengrin, Hausdebütantin Sara Jakubiak ist eine interessante Elsa, ihr Sopran ist in den Höhen dunkel gedeckt und glutvoll. Johan Reuter ist ein äußerst solider Telramund, Tanja Ariane Baumgartner eine mehr furiose als abgründige Ortrud. Die Inszenierung von Andreas Homoki mit ihren Lederhosen, Trachtenkleidern und Zopffrisuren funktioniert mit all ihren Stärken und Schwächen - vom engstirnigen Dorfumfeld bis zur Monotonie der holzvertäfelten Bühne.

Alles in allem: So muss Repertoire. Ein Abend mit Sogwirkung, an dem die kleinen Schönheitsfehler das Gesamtergebnis nicht zu trüben vermögen.