Die dramatische Wucht der "Elektra" von Richard Strauss ist jedes Mal aufs Neue ein Ereignis. Zwei Stunden konzentriertes Bühnenerleben, in grandiosen Farben ausgeleuchtete Schicksale, versehen mit Hugo von Hofmannsthals fantastischem Text. Ein Wurf. Nie verfehlen Intensität und Dichte ihre Wirkung. Auch am Dienstag nicht an der Wiener Staatsoper, wo Harry Kupfers Inszenierung aus dem Jahr 1989 gezeigt wird.

Eine kolossale, halbzerstörte Statue des ermordeten Agamemnon beherrscht den Raum. In ihrem Schatten vollzieht sich der antike Mythos, wobei es hier rein um die Menschen, ihre Verstrickungen und seelischen Abgründe geht. In diesem Mykene gibt es keine Hoffnung, kein Licht.

Außergewöhnlich

Chrysothemis sehnt sich nach Eheglück und sieht sich nicht in der Lage, der Schwester bei ihrem Rachefeldzug zu folgen. Camilla Nylund schlüpft mit Empathie in die Rolle und macht ihre Zerrissenheit wunderbar deutlich. Michaela Schuster wirft als Klytämnestra auf grandiose Weise ihre darstellerischen und stimmlichen Mittel in die Waagschale, um die seelisch geschädigte Königin von Mykene, abstoßend und bemitleidenswert zugleich, zu porträtieren. Aurine Stundyte vollzieht die Enthobenheit ihrer Figur allein schon durch ihre Bewegungen. Die aus Salzburg bekannte Sängerin fesselt mit ihrer emotional und stimmlich außergewöhnlichen Elektra-Interpretation. Richard Strauss’ geniale Musik ist bei Franz Welser-Möst und den Wiener Philharmonikern in den besten Händen. Betörende Ausweglosigkeit, schöne Grausamkeit.