Es ist eine liebevoll gestaltete Waldkulisse (Bühnenbild: Claudia Vallant), in der ein ungleiches Paar einem ganz besonderen Tag entgegenfiebert, den es eigentlich ein bisschen fürchtet: Fuchs (Max Gindorff) und Wildschwein (Lukas Haas) warten darauf, dass die Eintagsfliegen schlüpfen. Und am liebsten wäre ihnen, wenn das gar nicht passierte. Denn wer erklärt den Insekten, dass sie nur einen Tag zu leben haben? Freilich: "Wer weint schon um eine Eintagsfliege?", fragt der Fuchs. Aber als es dann soweit ist, passiert es doch: Mit dem Wildschwein gehen die Emotionen durch, und in seiner Verzweiflung, weil er die frischgeschlüpfte Eintagsfliege (Maresi Riegner) nicht mit ihrem nahen Ende konfrontieren und ihr den einzigen Tag ihres Fluglebens vermiesen will, aber halt doch das Gefühl hat, ihn für sie zu etwas Besonderem machen zu müssen, behauptet er plötzlich: Der Fuchs wird am Ende des Tages sterben.

Und die Eintagsfliege steigt sofort darauf ein. Sie will dem Fuchs den schönsten Tag seines Lebens bereiten. Wie wenig der von dem Ganzen begeistert ist, bringt Darsteller Max Gindorff sehr deutlich zum Ausdruck - bis die Eintagsfliege ihn auf Gänsejagd schickt. Denn: "Ein Fuchs ist ein Fuchs." Und der hat nun einmal seinen Trieben zu folgen. Mag das Wildschwein davon halten, was es will - schließlich hat der Keiler es ihnen ja selbst eingebrockt.

 

Was aber kann man sonst noch so tun am schönsten und vorgeblich letzten Tag seines Lebens? Zum Beispiel noch einmal so richtig Geburtstag feiern. Oder eine Hochzeit - hier sind wir plötzlich unversehens mittendrin im Thema gleichgeschlechtliche Liebe -, die ausgelassen zelebriert wird, mit vielen lauten Juchzern. Wie Max Gindorff und Lukas Haas überhaupt sehr oft sehr laut sind bei ihrem Spiel auf der kleinen Bühne des Burgtheater-Vestibüls (Regie: Anja Sczilinski). Aber Maresi Riegner kann es als Eintagsfliege ganz ordentlich und treibt das Ganze noch viel weiter. Und die beiden anderen ziehen mit und dabei einiges durch den Kakao, mit viel Übertreibung und falschen Lachern - weil sie ja eigentlich ein Doppelspiel spielen in ihrer Sorge um die Fliege.

Sie können aber auch ganz sanft und leise sein. Das sind dann auch richtig tiefsinnige Szenen, wie ja überhaupt Martin Baltscheits Stück "Nur ein Tag" eine Lehre über das Leben und den Tod ist. Ein Höhepunkt dabei ist die Frage, ob eine Eintagsfliege Zeit verschwendet, wenn sie schläft, fasst in ihrer Banalität Großes im Kleinen zusammen. Unwillkürlich fällt einem da das Bibelzitat "Seid wachsem, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde . . ." ein, das hier ins Gegenteil verkehrt ist. 

Im Zentrum steht die alte Weisheit, dass man erst schätzt, was man hatte, wenn man es nicht mehr hat. Und erst durch diesen einen gemeinsamen Tag mit einer Fremden kommen die beiden Freunde nach und nach drauf, dass sie genau das sind. Aber das hindert sie natürlich nicht, nochmal Mist zu bauen - genauer gesagt, verplappert sich der Fuchs. Im großen Finale gibt es dann noch einmal so richtig Wut und Tränen und große Emotionen - und schließlich doch ein halbwegs versöhnliches Ende.

Trotzdem ist das Ganze für zarte Gemüter vielleicht eine Spur zu laut, zu wild und zu traurig. Alle anderen (Altersempfehlung des Burgtheaters: ab 6 Jahren) haben diesen Sonntag um 11 Uhr nochmals die Gelegenheit, sich das Stück vor der Sommerpause im Burgtheater-Vestibül anzuschauen.