Maria Happel zieht neue Aufgaben geradezu magnetisch an: Seit dem Vorjahr leitet die 58-Jährige das Max-Reinhardt-Seminar, im Burgtheater gehört sie zu den am meisten beschäftigten Kräften, in der ORF-Serie "Soku Donau" spielt sie eine tragende Rolle, von ihren zahlreichen Auftritten als Sängerin (Piaf!) und Vorleserin gar nicht zu reden. In dieses Potpourri reiht sich nunmehr auch die Leitung der Festspiele Reichenau ein. Muss man erwähnen, dass Happel freilich längst als Akteurin und Regisseurin in Reichenau mitwirkte?

Nun tritt sie die Nachfolge der Gründungs-Intendanten Renate und Peter Loidolt an. Happel wurde als künstlerische Leiterin vorerst für drei Jahre bestellt, mit Option auf zwei weitere Spielzeiten. Den Spielplan für 2022 wird die Neo-Intendantin im Herbst bekannt geben, sie gewährte jedoch Einblicke in ihr Konzept für den Neustart: Happel will gezielt Nachwuchsakteure mit erfahrenen Mimen zusammenzubringen, weiters kündigte sie eine Zusammenarbeit zwischen ihrer Wirkungsstätte, dem Max Reinhardt Seminar, und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien an. Statt Konkurrenz fortan ein Brückenschlag zwischen den beiden großen Wiener Schauspielschulen.

Brückenschlag

"Es ist wie eine Fügung", zeigt sich Happel bei der Pressekonferenz von ihrer neuen Tätigkeit begeistert. Inhaltlich dürfte es ähnlich weitergehen wie bisher. Happel denkt über die Dramatisierung von Thomas Bernhards "Alte Meister" nach, sympathisiert mit Tschechows "Die Möwe" und Wedekinds "Frühlingserwachen" – Bühnenhits der Dramenliteratur.

Die Position wurde in Reichenau vakant, nachdem das Intendanten-Duo nach mehr als 30 Jahren überraschend im Mai ihren Rücktritt bekannt gab. Wie die "Wiener Zeitung" bereits berichtete, werden die Festspiele in die Niederösterreichische Kulturorganisation (NÖKU) eingegliedert. NÖKU-Geschäftsführer Paul Gessl übernimmt interimistisch die kaufmännische Geschäftsführung, die demnächst ausgeschrieben wird