Hätte ich Geld, hätten sie mir das nicht angetan", der Satz fällt einmal beiläufig in diesem zweistündigen Theaterabend und liefert gleichsam den Subtext für das gesamte Stück: Alexander Zeldins "Faith, Hope and Charity" ist ein britisches Sozialdrama von unbarmherziger Genauigkeit.

Die Schließung eines Community Centers wird in vier Akten als unausweichliches Faktum erzählt. Dass karitative Einrichtungen in Großbritannien den Interessen von Immobilieninvestoren weichen müssen, erscheint hier wie ein Naturgesetz. "Faith, Hope and Charity" ist jedoch mehr als nur die Geschichte eines Raumes. Es erzählt vom Leben derer, die sich hier für ein warmes Stew anstellen, gemeinsam Weihnachten feiern, einen Chor gründen, bei dem jeder willkommen ist, auch wenn er das Musikstück noch so grandios falsch intoniert. Die weitläufige Bühne in der Halle E im Museumsquartier stellt einen kunstvoll verwahrlosten Raum dar - verschmierte Wände, undichtes Dach, billige Plastikstühle, abgenütztes Spielzeug. Heimat der Heimatlosen. Da ist der schüchterne Chorleiter, die sudanesische Flüchtlingsfrau, die kaum ein Wort spricht und ihre Tochter nicht aus den Augen lässt, der junge Autist, der sich mitten ins Publikum setzt oder der wütende Obdachlose.

Im Zentrum der Handlung stehen jedoch zwei Mütter - Hazel, die seit vielen Jahren die Gemeinschaftsküche betreut, tagtäglich kocht und stets ein offenes Ohr für die Sorgen aller hat, sowie die junge, problembeladene Mutter Beth, deren vierjährige Tochter bei einer Pflegefamilie aufwächst. Beth kämpft das ganze Stück hinweg so verzweifelt wie vergeblich um das Sorgerecht. Persönliche Apokalypsen gehören in "Faith, Hope and Charity" zum Alltag. Zeldin stellt die Unbarmherzigkeit sozialer Ungerechtigkeiten unsentimental und unaufgeregt dar. Die Erniedrigten und Beleidigten empören sich hier kaum über das Unrecht, das ihnen angetan wird. Jetzt wird ihnen auch noch ihre letzte Zuflucht geraubt und sie nehmen es hin, als wäre es eine Naturgewalt. Das geht einem ans Herz.

Magie und Realismus

Alexander Zeldin (36) gehört zu den britischen Nachwuchstalenten und setzt gewissermaßen die Filmarbeit von Ken Loach (85) mit den Mitteln des Theaters fort. Ähnlich wie der große britische Filmemacher hält er dem sozialen Realismus die Treue.

In Zeldins Bühnenarbeit agieren fast ausnahmslos Laiendarsteller, die als Experten ihres Alltags auftreten. Sie leben tatsächlich ein Leben am äußersten Rand der Gesellschaft, sie wissen aus eigener Erfahrung, was es heißt, ohne Einkommen auszukommen, und liegen selbst mit den Fürsorgeeinrichtungen über Kreuz.

Die Magie von Zeldins Theater entfaltet sich in der Aufmerksamkeit, die er den Figuren widmet. Er nimmt sich Zeit, um ihre zerrüttete Welt minutiös darzustellen. Mitunter ereignet sich auf der Bühne herzlich wenig, minutenlang stellen sich die Akteure etwa bei der Essensausgabe an, dann löffeln sie noch stillschweigend ihre Suppe. In aller Ausführlichkeit setzen Zeldin und seine Truppe auf die niederschmetternde Wirkung der realen Misere. Friede den Gemeinschaftsküchen! Krieg den Immo-Spekulanten!