"Pointe of no Return" - einen passenderen Titel hätte der deutsche Kabarettist, Musiker und Komponist Willy Astor für sein aktuelles Best-of-Solo eigentlich nicht wählen können. Denn so wie er selbst hofft eine ganze Branche, dass in Sachen Pandemie und Auftritte endlich der Punkt erreicht ist (ja, es heißt im Englischen in Wahrheit "point", aber die Pointe passt halt dann doch besser in den Programmtitel), an dem es kein Zurück mehr gibt: kein Zurück zu leeren Sitzreihen vor ebenso leeren Bühnen; kein Zurück zu Monaten ohne Einkommen; kein Zurück zu steigenden Infektionszahlen, die Künstler auch privat um die Gesundheit bangen lassen.

Astor, der am 24. Juli mit seinem Auftritt im Wiener Stadtsaal die dortige - sehr kurze - Saison 2020/21 beschließt, kann es jedenfalls gar nicht mehr erwarten, endlich wieder auf Tour zu gehen. "Ich bin froh, nach zwei Lockdowns und zuletzt neun Monaten Arbeitsverbot überhaupt wieder meiner Berufung nachkommen zu können", sagt er im Vorfeld zur "Wiener Zeitung" und wird ganz wehmütig, wenn er an die Zeit vor Corona denkt: "120 Auftritte im Jahr, das war schon was." Das geht sich heuer definitiv nicht mehr aus, aber Astor versucht aufzuholen, was er aufholen kann, und gibt jetzt Vollgas. Ab 11. Juli (zwei Auftritte in München an einem Tag) spielt er den Sommer durch - und eben auch in Wien.

Ein Best-of aus 30 Jahren

Im Gepäck hat er ein sehr sprachverliebtes Programm, bei dem auch ohne roten Faden - "Den gab’s bei mir noch nie, ich bin ja froh um jeden guten Schabernack, da kann ich auf Fäden keine Rücksicht nehmen" - kein Auge trocken bleibt, wie er hofft. Es ist wie bereits erwähnt ein Best-of aus rund 30 Jahren, die der Satiriker und Liedermacher nun schon auf der Bühne steht. Es waren 30 Jahre, in denen er sich auch finanziell genug aufbauen konnte, um halbwegs unbeschadet durch die Corona-Lockdowns zu kommen. "Ich hatte genug zur Seite gelegt." Trotzdem "fühlt es sich nicht gut an, darauf zu warten, dass es wieder losgeht". Am meisten freut er sich darauf, "die Leute wieder lachen zu sehen".

Allzu weit vorausplanen will er aber lieber nicht. "Was dann im September sein wird mit Indoor-Veranstaltungen, weiß noch keiner so recht", meint er. Corona dürfte jedenfalls noch länger seine Branche beeinflussen. Auch seine Texte? "Naja, ich werde es kurz thematisieren, aber keine große Sache daraus machen." Denn er schreibt grundsätzlich "Sachen, die mir Spaß machen", und nicht das, was gerade en vogue sein mag. So hat ihn sein Programm "Sound of Islands", mit dem er auch schon in Wien war, in die Weltmusik geführt, und mit "Kindischer Ozean" gab es auch schon ein Kinderprogramm, das freilich "auch Erwachsenen gefällt - das Kind im Manne lass ich mir nicht nehmen". Und 1997 hat er die Hymne des FC Bayern München, "Stern des Südens" komponiert: "Der Song ist mir in einer halben Stunde aus der Feder geflossen. Ein Glücksfall, den mir die Bayern nicht angeschafft haben, aber er ist halt so gut geworden, dass sie ihn mir nicht ablehnen konnten."

"Ein hoffnungsvoller Start"

Dabei hätte alles ganz anders kommen können, absolvierte doch Astor, der im heurigen September 60 Jahre alt wird, nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei BMW und danach eine Aufstiegsfortbildung zum Maschinenbautechniker, die er 1985 abschloss. Doch dann zog es ihn auf die Kabarettbühne, die er seither nicht mehr verlassen hat. Höchstens, wenn ihn ein blödes Virus dazu gezwungen hat. Auf Wien freut er sich jedenfalls, wie er betont: "Das ist mal wieder ein hoffnungsvoller Start und zeigt mir, wie gut es uns Künstlern ging vor der Pandemie - das waren alles Wunschkonzerte."