Nach einem Jahr Pause tauchen die Bregenzer Festspiele am Bodensee wieder auf: Nächsten Mittwoch eröffnet Arrigo Boitos "Nerone" im Festspielhaus das Programm, tags darauf wird "Rigoletto" auf der Seebühne erneut aufgenommen. Ein Gespräch mit Intendantin Elisabeth Sobotka über einen mutmaßlich normalen Sommer und die Coronafolgen.

"Wiener Zeitung":Aufgrund von niedrigen Infektionszahlen durfte Vorarlberg als einziges Bundesland schon im März seine Bühnen wieder aufsperren. Wie haben Sie das erlebt?

Elisabeth Sobotka: Es war ein unglaublicher Moment und hat uns auch für den Sommer viel Kraft gegeben. Weil wir gesehen haben, dass Veranstaltungen auch unter strengen Regeln möglich sind. Andererseits war es auch ein trauriger Anblick, mit nur 100 Zuschauern im Saal.

Guter Dinge: Intendantin Elisabeth Sobotka. - © apa / Helmut Fohringer
Guter Dinge: Intendantin Elisabeth Sobotka. - © apa / Helmut Fohringer

Sie dürfen die Festspiele nun wieder vor vollen Publikumsreihen veranstalten. Der Verkauf läuft wunschgemäß?

Ja, 80 Prozent aller Festivalkarten sind verkauft. Für uns ist es natürlich ein Vorteil, dass wir Oper an der frischen Luft spielen können und den Menschen dadurch Freiraum bieten.

Welche Präventionsregeln gelten für die Besucher? Müssen sie eine Maske zu den Festspielen mitbringen?

Nein, eine Maskenpflicht herrscht nicht mehr; das einzige vorgeschriebene Gebot ist die 3G-Regel.

Kehrt auch Ihr internationales Publikum im gewohnten Ausmaß zurück?

Wir haben den Eindruck, dass uns die deutschen Gäste - die den Löwenanteil in dieser Gruppe ausmachen - sehr treu geblieben sind. Eine Zeit lang galten bei Grenzübertritten unübersichtliche Regeln, aber da bestehen jetzt keine Probleme mehr.

Was, wenn Österreich noch in diesem Sommer wieder zur Risikozone erklärt wird aufgrund der Ausbreitung der Delta-Variante?

Ich schätze die Lage derzeit so ein, dass der Sommer recht gut verlaufen wird. Größere Sorgen habe ich wegen dem Herbst, der könnte nicht ganz unproblematisch werden.

Müssen die Darsteller auf der Bühne Abstand halten?

Nein. Wir haben es allen freigestellt, sich im Fall von Unbehagen wegen zu viel Nähe zu melden, aber es gab da keine Befindlichkeiten. Wir testen sehr häufig, und: Bei den Opern "Nerone" und "Rigoletto" sind fast alle geimpft - eine große Erleichterung.

2020 fiel das Festival aus, als Ersatz gab es acht Tage Programm in kleinerem Rahmen. Die Festspiele finanzieren sich vor allem über die Ticketeinkünfte der Seebühne. Hat die Pandemie ein Loch in die Finanzen gerissen?

Nein, wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Die Subventionen sind weitergelaufen, außerdem haben wir auf Kurzarbeit gesetzt und Geld aus dem NPO-Fonds beantragt.

Wie sind Sie auf Boitos "Nerone" gestoßen? In den Untiefen eines Archivs?

Nein, schon im Studium. Da begann meine Begeisterung für die Scapigliatura - jene aufmüpfige, spannende Künstlergruppe neben der großen Opernfigur Giuseppe Verdi. Boito hat jahrzehntelang an seinem "Nerone" gearbeitet, das Projekt war in aller Munde. Arturo Toscanini hat ihn bekniet, es endlich fertigzustellen, doch vergeblich. Posthum hat es der Dirigent dann zur Aufführung gebracht.

Ist es ungerecht, dass man Boito heute eher als Librettisten kennt?

Er war eine wirkliche Doppelbegabung, als Komponist strebte er ein Gesamtkunstwerk an - aber nicht so sehr im Sinn Wagners, sondern in einer eigenständigen, italienischen Art.

Sie sind seit 2015 Bregenz-Intendantin und bis 2024 im Amt. Wäre es denkbar, dass Sie sich eines Tages umorientieren?

Im Moment überstrahlt die Freude darüber, dass wir unsere Projekte realisieren können, alles andere so sehr, dass ich über diese Frage nicht nachdenke.