Die Bayreuther Festspiele haben begonnen. Und es war ein Abend der Frauen: Dirigentin Oksana Lyniv wurde nach ihrem Debüt bei der Premiere von "Der fliegende Holländer" vom Publikum gefeiert. Übertroffen wurde der Jubel für die 43-Jährige, die als erste Frau eine Oper bei den berühmen Richard-Wagner-Festspielen dirigierte, nur von dem für eine andere Bayreuth-Debütantin: Die litauische Sopranistin Asmik Grigorian war in der Rolle der Senta der erklärte Star des Abends vor den Augen des prominentesten weiblichen Ehrengasts: der scheidenden deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Zeiten, in denen die Bayreuther Festspiele von Familienzoff oder irgendeinem Skandälchen begleitet waren, sind schon länger vorbei. Katharina Wagner führt das Unternehmen souverän. Das ist auch nötig, wenn wie im vorigen Jahr auch heuer die Frage über dem Grünen Hügel schwebt, ob die Fanfaren überhaupt zu den Vorstellungen im Festspielhaus rufen. 2020 ging das nicht. Jetzt steht ein neuer "Fliegender Holländer" an, und Hermann Nitsch will die Walküre mit einem Farbenrausch versehen. Der neue "Ring" ist verschoben und fürs nächste Jahr vorgesehen. Die Sorge um die Gesundheit der Mannschaften und der Besucher ist Punkt eins einer Agenda, um die die Festspielchefin nicht zu beneiden ist. Dennoch fand sie Zeit, der "Wiener Zeitung" ein paar Fragen zu beantworten:

"Wiener Zeitung": Frau Wagner, wie geht es ihnen kurz vor dem Start der wohl außergewöhnlichsten Festspiele der Nachkriegszeit?

Katharina Wagner: Danke der Nachfrage, mir geht es gesundheitlich wieder sehr gut und ich freue mich sehr auf die Eröffnung mit Publikum.

Wie ist die Stimmung im Haus und bei den Künstlern? Sind alle gesund?

Alle sind gesund, voller Tatendrang und fiebern den Aufführungen entgegen.

Was man heute so landauf, landab Hygienekonzept nennt - wie verträgt sich das mit den Besonderheiten des Festspielhauses, etwa im Hinblick auf die alleinige Belüftung durch die Türen und das Dach?

Wir haben uns mit Gutachten und in enger Rücksprache mit den Behörden rückversichert, um die genehmigte Zuschauerzahl im Saal möglich zu machen. Die Lüftungsanlage ist bei einer Zuschauerzahl von 911 ausreichend, sodass es auch keiner zusätzlichen Pausen bedarf. Die Maskenpflicht während der Vorstellungen ist nicht nur bei uns vorgeschrieben.

Der verdeckte Graben hat es ja klimatisch immer in sich: Wie werden die Musiker geschützt? Wie oft wird getestet? Wie ist der Plan, falls jemand positiv getestet ist? Von wo aus steuert der Chor sein "Steuermann lass die Wacht" bei?

Tägliche PCR-Testungen nehmen wir vor, die Streicher spielen mit
FFP2-Masken. Sollte ein Corona-Test positiv ausfallen, wird der Musiker in Quarantäne geschickt, eine Kontaktverfolgung erfolgt unmittelbar. Sollte der neuerliche Test dann auch positiv ausfallen, musizieren Musiker aus der anderen Orchestergruppe. In diesem Jahr haben wir das Orchester vorsorglich in zwei Orchestergruppen aufgeteilt.

Falls zugespielt wird - sind Sie mit dem akustischen Resultat zufrieden?

Wir sind sehr zufrieden und haben dafür auch keine Mühen gescheut.

Wie sieht es denn aus mit dem neuen "Ring des Nibelungen"? Bleibt es beim nächsten Jahr für die nachgeholte Premiere - kriegen Sie das in der Planung hin? Wird der jetzt im Sommer geprobt?

Ja, das Team um Valentin Schwarz und Pietari Inkinen probt bereits seit Juni, das Ergebnis ist sehr vielversprechend und die Stimmung hervorragend.

"Die Walküre" im und "Das Rheingold" vor dem Haus - ist das ein "Ersatz" zu dem Sie künstlerisch stehen können?

In einem Corona-bedingt ringfreien Jahr wollten wir dennoch nicht ganz auf einen "Ring" verzichten und wollen alle "Ring"-Teile spiegeln, kommentieren, fortschreiben oder neuartig erlebbar machen. Mit Nikolaus Habjan, Gordon Kampe und Paulus Hochgatterer haben wir für die Uraufführung des "Rheingold-Immer noch Loge" am Teich unterhalb des Festspielhauses ein herausragendes Team gewinnen können, und mit Hermann Nitsch einen der bedeutendsten bildenden Künstler für die "Walküre".

Wie sieht es mit der Fortsetzung des "Diskurs Bayreuth" aus?

Die vielbeachtete Reihe soll fortgesetzt werden.

In der letzten Zeit war gelegentlich von anstehenden Reformen zu hören, was ist da der Stand?

Ein Arbeitskreis ist bereits seit längerem damit betraut, er arbeitet daran.

Wie ist der Stand in Sachen Sanierung des Festspielhauses? Gibt es da auch eine Pandemievariante - oder läuft die planmäßig?

Die Generalsanierung soll bis 2026 abgeschlossen sein und läuft planmäßig. Über die finanzielle Zusage von Bund und Land haben wir uns sehr gefreut, diese gibt uns Planungssicherheit.

Werden Sie in diesem Jahr die Marke der üblichen 65 Prozent Eigenfinanzierung erreichen können? Wie wirkt sich die Pandemie im Budget aus? Im letzten Jahr fehlten 15 Millionen der Einnahmen - mit wie viel muss man heuer rechnen und wie wird das abgefangen?

Durch die reduzierte Platzkapazität können wir die Einnahmenhöhe der Vorjahre nicht erreichen, die Gesellschafter haben aber bereits sehr frühzeitig Unterstützung insoweit zugesagt, als sie höhere Zuschüsse bewilligt haben. Ursprünglich hätten wir vor nur 235 Zuschauerinnen und Zuschauern gespielt, nun dürfen es 911 werden, die erhöhten Zuschüsse können dadurch wieder reduziert werden.

Worauf freuen Sie mit Blick auf den 25. Juli am meisten?

Auf unser Publikum im Saal.