Ein Pistazieneis ein paar Häuser weiter am Schwedenplatz für Kürzungen! Notfalls auch ein Königreich. Daniel Glattauers Roman "Gut gegen Nordwind" ist eine Liebesgeschichte in E-Mails mit einem realen Katzenjammer am Schluss. Der Roman ist aus den E-Mails montiert, also quasi durchdialogisiert, die Dramatisierung bietet sich an. Glattauer hat sie in Zusammenarbeit mit Ulrike Zemme übernommen und war so verliebt in seinen Text, dass er zu wenig davon geopfert hat. Das Ergebnis ist ein gut dreistündiger Abend, der mit seiner Abfolge viel zu vieler viel zu ähnlicher Kurzszenen ins Stocken gerät. Dass diese Beziehung ein-Schritt-vor-ein-Schritt-zurück der Trennung entgegenstagniert, könnte in eindreiviertel Stunden pausenlos durchgespielt werden. Welch fulminanter Abend wäre das dann!

Das Paar, das mit den Gefühlen der und des anderen herumspielt, ist wenig gewinnend. In der Komödie am Kai erkämpfen Anna Sophie Krenn als mondäne Emmi und Anatol Rieger als salopper Leo dem Nicht-Paar dennoch die Gunst des Zuschauers - auch, weil Sissy Boran und Andrea Eckstein in ihrer präzisen Regie die psychischen Angeknackstheiten herausschälen und auf stillen Humor setzen. Wunderbar natürlich kommt das herüber! In den Applaus des Publikums mischte sich um 23.15 Uhr eiliger Aufbruch zu solch später Stunde.