Hugo von Hofmannsthal, einer der Gründungsväter der Salzburger Festspiele, prägt mit einem einzigen Stück das sommerliche Hochkulturereignis: Sein "Jedermann" gerät am Domplatz seit nunmehr 100 Jahren verlässlich zum Gesellschaftsereignis, obwohl die pompöse Freiluft-Inszenierung ursprünglich nur eine Verlegenheitslösung war.

Hofmannsthals übrige Dramen, etwa "Der Schwierige" oder "Ödipus"- und "Elektra"-Bearbeitungen, sucht man indes vergeblich. Der große Dichter des Fin-de-siècle, zu Lebzeiten regelmäßig als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt, tritt an der Salzach bestenfalls als Opernlibrettist in Erscheinung - siehe: "Rosenkavalier". Als Dramatiker ist Hofmannsthal kaum mehr gefragt. Umso erstaunlicher, dass nun ausgerechnet sein nahezu unbekanntes Stück "Das Bergwerk zu Falun" am Samstag, 7. August, im Salzburger Landestheater Premiere feiert. Jossi Wieler führt Regie, in den Hauptrollen sind Lea Ruckpaul und Marcel Kohler zu sehen.

Reise in die Innerlichkeit: Autor Hugo von Hofmannsthal um 1910. - © Wikipedia Commons / Nicola Perscheid
Reise in die Innerlichkeit: Autor Hugo von Hofmannsthal um 1910. - © Wikipedia Commons / Nicola Perscheid

Heimatlos

"Es ist ein sperriges Stück und genau das interessiert mich", sagt Regisseur Wieler im Rahmen des Salzburger Terrassentalks. Das Stück handelt im Grunde vom seltsamen Verschwinden des Protagonisten Elis Fröbom. Nach drei Jahren auf hoher See kehrt der Protagonist in seine Heimat zurück, in der er sich jedoch nicht mehr heimisch fühlt. Seine Eltern sind gestorben, das Elternhaus wird von Fremden bewohnt. Ohne Hab und Gut, ohne Bindungen empfindet der Protagonist nichts als Weltekel und Überdruss.

Durch eine Begegnung mit dem alten Torbern, ein Grenzgänger zwischen der irdischen und unterirdischen Welt, lernt Elis das Reich der Bergkönigin kennen.

Um Teil dieses Elysiums zu werden, in dem es keinen Tod und kein Leid mehr gibt, muss Elis eine Art Prüfung bestehen - als Bergmann soll er sich von irdischen Sehnsüchten lossagen. Elis heuert also beim verarmten Bergwerksbesitzer Dahljöh an, durch Fleiß und Ehrgeiz verhilft er der Familie erneut zu Wohlstand und verliebt sich in Dahljöhs Tochter. Doch am Tag der Hochzeit verschwindet er für immer. "Das Bergwerk zu Falun" nimmt in Hofmannsthals Schaffen eine Sonderstellung ein. Der Dichter verfasste es bereits mit 25 Jahren, ließ es aber nie vollständig veröffentlichen. Hofmannsthal starb 1929 im Alter von 55 Jahren, "Das Bergwerk zu Falun" erschien erstmals 1932; in vielen Hofmannsthal-Ausgaben fehlt es bis heute. Erstmals auf die Bühne gelangte "Das Bergwerk zu Falun" 1949, danach wurde es kaum nachgespielt. Das stiefmütterlich behandelte Stück mag in gewisser Weise die Sinnsuche des jungen Dichters widerspiegeln, der darin Anleihen aus der romantischen Dichtung und aus den Mythen nimmt, um seinen Platz in der literarischen Welt noch zu finden.

Träumereien

Die Grundlage liefert eindeutig E.T.A. Hoffmanns gleichnamige Erzählung aus dem Zyklus "Die Serapionsbrüder" (1819). E.T.A. Hoffmann ließ sich seinerseits von realen Begebenheiten inspirieren. Das schwedische Bergwerk Falun gibt es tatsächlich, seit dem frühen Mittelalter wurde hier Kupfer abgebaut, im Lauf der Jahrhunderte trugen sich schreckliche Grubenunfälle zu. Für Furore sorgte anno 1677 das mysteriöse Verschwinden von Fet Mats Israelsson kurz vor dessen Hochzeit. 1719 wurde der Bergmann tot aufgefunden und von seiner damaligen Braut identifiziert. Durch das Kupfervitriol in der Grube war sein Leichnam konserviert, heute noch lässt sich sein Grab auf dem Friedhof in Falun besichtigen.

Während E.T.A. Hoffmann in seiner Erzählung die unterirdische Welt mit Fantasiegeschichten und Träumen verbindet, gerät der Weg in den Berg bei Hofmannsthal eher zu einem Weg in die Innerlichkeit. Die Orientierungslosigkeit des modernen Menschen durchdringt das märchenhafte Szenario. Das dürfte auch Regisseur Wielers Aufmerksamkeit geweckt haben, er sagt: "Alle Figuren suchen darin nach einem Sinn und wie alle Märchen, wie alle Mythen ist es nie eindimensional."