Mit krachendem Theaterdonner fängt Jossi Wielers Inszenierung von "Das Bergwerk zu Falun" im Salzburger Landestheater an. Die Bühne versinkt nahezu im Theaternebel, aus einem Schutthaufen befreit sich der Schauspieler André Jung. Das Spiel beginnt. Jung stellt die Bühnenfigur Torbern dar, ein Grenzgänger zwischen der über- und unterirdischen Welt, Vermittler zwischen den Menschen und der Bergkönigin. Mit geradezu erdrückender Schwermut und forciertem Tiefgang legt Jung die mythische Rolle an.

Von der ersten Minute an lässt Regisseur Wieler keinen Zweifel daran, dass er es mit Hugo von Hofmannsthals märchenhaftem Stück "Das Bergwerk zu Falun" ernst meint. Bierernst. Den pathetisch aufgeladenen Text überhöht der Regisseur auf der Bühne noch mit absichtsvoll-kunstvoller Tristesse. Ein nachvollziehbarer Regieansatz, aber die durchgehende Moll-Tonlage verhilft dem 90-minütigen Theaterabend nicht gerade zu mehr Lebendigkeit. Vielmehr entfaltet das ganze Unternehmen immer gleich mehr Gleichförmigkeit.

Als sinnfälliges Szenario für das Untergangs-Melodram entwarf Muriel Gerstner ein Bühnenbild aus zahllosen grauen Ziegelbetonsteinen, die im Bühnenrund fallweise auf- und wieder abgebaut werden. Eine formidable Apokalypsen-Landschaft.

Eingang ins Elysium

"Das Bergwerk von Falun" basiert auf einer Sage, die bereits der von Märchen und Mythen faszinierte E. T. A. Hoffmann in seinem "Serapionsbrüder"-Zyklus beschrieb. Das Drama handelt im Grunde von Elis Fröboms mysteriösem Verschwinden.

Nach Jahren auf hoher See kehrt er in seine Heimat zurück, in der er sich jedoch nicht mehr heimisch fühlt. Seine Eltern sind gestorben, während er auf den Weltenmeeren segelte. Ohne Hab und Gut, ohne Bindungen empfindet er nichts als Weltekel und Überdruss, bis er durch den alten Torbern das Reich der Bergkönigin kennenlernt.

Um in diesem Elysium aufgenommen zu werden, in dem es weder Tod noch Leid gibt, muss Elis eine Prüfung bestehen - als Bergmann soll er sich von sämtlichen irdischen Sehnsüchten lossagen. Elis heuert beim verarmten Bergwerksbesitzer Dahljöh an, verhilft der Familie zu Wohlstand und verliebt sich in Dahljöhs Tochter Anna. Doch am Tag der Hochzeit verschwindet er für immer. Schicht im Schacht.

Der Schauspieler Marcel Kohler verleiht in der Salzburger Inszenierung Elis Fröbom mit kinnlangem Haar, schwarzem Nagellack und dunkler Kluft etwas vom Image eines lädierten Rock-Stars. Sein Spiel bleibt indes weitgehend farblos, wie mit hängenden Schultern schleppt er sich durch die ewig schlechte Laune seiner Bühnenfigur.

Zu den Höhepunkten der Aufführung gehören seine Begegnungen mit der Bergwerks-Unternehmer Tochter Anna. Lea Ruckpaul ist mit roten T-Shirt und bunten Rock nicht nur energetisch, sondern auch optisch der einzige Farbtupfer in dieser ganz in schwarz-weiß-grau gehaltenen Aufführung. Hildegard Schmahl taucht noch in mehreren Nebenrollen auf, Sylvana Krappatsch hinterlässt als Bergkönigin keinen bleibenden Eindruck.

Hugo von Hofmannsthals kaum gespieltes, posthum erschienenes "Das Bergwerk von Falun" wird als Reise in die Innerlichkeit interpretiert. Seelisch verwundete Figuren taumeln, geplagt vom Überdruss, gedrückt vom Weltschmerz durch das Szenario. Manche Interpreten sehen darin einen Beleg für die Orientierungslosigkeit des modernen Menschen. Mag sein. Doch in der Salzburger Inszenierung merkt man kaum Zeitgenossenschaft, die Bühnenfiguren, bleiben papiern, ihr Schicksal lässt einen seltsam unberührt. Schade.