Schon beim Betreten des Volkstheaters wird man in leichte Nebelwolken gehüllt, im Zuschauerraum verdichten sich dann diese. Dazu leise Töne, die beim genauen Hinhören in eine gruselige Endzeitstimmung versetzen. (Sofern das extrem laute Gequatsche der Zuseher dies überhaupt möglich macht. Es stört sehr, das laute Schwatzen.) Choreograf Akram Khan lässt hier bereits vermuten, dass "Outwilling the Devil" keine Feelgood-Performance werden wird. Als dann noch die Platzanweiserinnen die leuchtenden Kennzeichnungen der Notausgänge mit schwarzen Tafeln abdecken, weiß man: Hier wird es gleich richtig düster.

Inszenatorisch hat der 1974 geborene britische Tanzschaffende mit bengalischen Wurzeln "Outwilling the Devil", das zurzeit im Rahmen des Wiener Impulstanz-Festivals zu sehen ist, äußerst einfach gehalten: Auf der dunklen Bühne liegen lediglich rund um den Bühnenrand angeordnete Ziegelsteine, am hinteren Ende stehen ebenfalls dunkle, jedoch große Blöcke. Sie werden im Lauf der Performance zum Altar, dann wiederum zum Podest. Es ist jenes Podest, auf dem der junge König Gilgamesch seine Kraft, seinen Stolz und seine unbändige Energie in die Welt hinausposaunt. Akram Khan wurde nämlich vom 4.000 Jahre alten sumerischen Epos des Königs Gilgamesch inspiriert, aus dem er einen Teil des jungen Lebens mithilfe seines sterbenden Alter Egos erzählen lässt. Auch ohne Programmheft gelingt es dem Zuseher, der Handlung zu folgen: Gilgamesch, um seinen Ruhm zu festigen, will die Stadt Uruk erbauen. Dafür vernichtet er Wald sowie Tiere und zieht sich somit den Zorn der Götter zu, die ihn hart für seinen Frevel bestrafen. Sie nehmen seinem geliebten Enkidu das Leben.

Raffinesse bis ins Detail

Diesen Plot bringt der Choreograf mit nur sechs Tänzern (Mythili Prakash, Luke Jessop, Jasper Narvaez, Louis T. Partridge, Elpida Skourou und Francois Testory) auf die Bühne. Sie verschmelzen den klassischen indischen Tanz Kathak mit zeitgenössischen Bewegungen - ein Markenzeichen für Akram Khans choreografischer Handschrift. Tanz ist für ihn "Muttersprache und Religion", sagte er einmal.

In "Outwitting the Devil" demonstriert der britische Choreograf Akram Khan die dunkle Seite der Menschheit. - © Jean-Louis Fernandez
In "Outwitting the Devil" demonstriert der britische Choreograf Akram Khan die dunkle Seite der Menschheit. - © Jean-Louis Fernandez

Außergewöhnlich ist die Kraft und Energie sowie die technische Raffinesse dieser Tänzer: Vom fast beängstigenden Tanzterminator bis hin zur indischen Göttin, die nicht nur mit ihrer Fußarbeit staunend macht, beeindrucken diese Darsteller. Akram Khan weiß dieses Können in Soli zu schätzen. Eingebettet ist diese Performance in den Elektrosound von Vincenzo Lamagna, der oftmals ohrenbetäubend die Katastrophe herbeisehnt. Die Lautsprecher im Volkstheater litten hörbar.

Akram Khans Gilgamesch ist Sinnbild des hochmütigen Zerstörers von Mensch als auch Natur und somit aktueller den je: Das Thema Klimakrise zieht sich wie ein roter Faden durch die Performances des diesjährigen Impulstanz-Festivals.