Wer die filmische Performance-Premiere bereits im Jänner dieses Jahres auf der Website des Tanzquartiers gestreamt hat, wird enttäuscht: Denn "Stranger Than Paradise" des österreichischen Choreografen Chris Haring und seines Künstlerkollektivs Liquid Loft braucht kein theatralisches Moment, braucht kein Live-Spektakel. Haring hat für das zurzeit stattfindende Impulstanz-Festival am Donnerstag im MuTh eine Bühnenversion unter dem Titel "Still" mit dem bereits bekannten Film als zweiten Teil des Abends gepaart.

"Still" ist ein Spiel der wechselnden Identitäten: Im Minutentakt betreten die sieben Performer (Luke Baio, Stephanie Cumming, Dong Uk Kim, Katharina Meves, Dante Murillo, Anna Maria Nowak und Hannah Timbrell) die grell weiße Bühne, wechseln zuvor jedes Mal ihre bunten, oftmals glitzernden Kostüme. Sie bleiben kurz, manchmal im Bewegungsgleichklang mit einem anderen Performer oder sie verschmelzen mit diesem zu einem unbekannten Wesen. Vielleicht eine menschliche Tiermaschine? Haring lässt dem Zuschauer viel Zeit und Raum für Assoziationen.

Szene aus dem Film "Stranger Than Paradise". 
- © Liquid Loft

Szene aus dem Film "Stranger Than Paradise".

- © Liquid Loft

Dann wiederum verschlingen sie sich ineinander, verharren starr - einer Skulptur gleich. Die Performer arbeiten sichtlich detailgenau, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Prinzipiell eine gelungene Performance, wäre da nicht der Film, der eine Weiterentwicklung von "Still" scheint: Im Film ist es ein Tanz der Spiegelbilder, perfekt inszeniert, denn die Kameraführung ist Teil der Choreografie. Thema, Licht und auch Schrittrepertoire stimmen mit der Live-Performance überein, aber sind wesentlich ausgeklügelter gestaltet. Auch bietet der Film Perspektiven an, die dem Ganzen ein Alleinstellungsmerkmal verleihen - inklusive dem liquid-loft-typischen Lippensynchrongesang.

Wer jedoch den Film vorab nicht gesehen hat, könnte Gefallen an Harings Wunderwelt finden.