An die 100 Kostüme hat Brigitte Huber für die 26 teils sehr jungen Darstellerinnen und Darsteller geschneidert, die in der akuellen "teatro"-Musical "Little Women" in der Mödlinger Europa Halle die Goldenen Zwanzigerjahre wiederaufleben lassen. Soeben hat Josephine "Jo" March den Literaturnobelpreis erhalten, und auf die Frage, was sie dahin gebracht hat, antwortet sie: "Meine Mutter und meine Schwestern."

Und dann blickt sie zurück auf ihre Kindheit, und wir reisen ins Jahr 1861, als Jo ihre ersten Geschichten erfindet, die lebhaft erzählt werden (Musik: "teatro"-Intendant Norberto Bertassi, Texte: Norbert Holoubek, Choreografie: Katharina Strohmeyer). Dabei wird nicht nur viel und gut gesungen, sondern auch getanzt, was das Zeug hält, und zwar auch von den jüngsten Ensemblemitgliedern, die höchstens halb so hoch sind wie Gaststar Peter Faerber, dessen markante Stimme ebenso heraussticht wie jene von Jana Werner: Die erfahrene Schauspielerin hat unter anderem in Walt Disneys Zeichentrickfilm "Die Schöne und das Biest" die Belle gesprochen und gesungen. Die Stimmung auf der Bühne ist zunächst ausgelassen, doch das wird sich noch ändern, und zwar gewaltig.

Denn es sind nicht bloß lustige Geschichten, die da erzählt werden, es geht auch um Armut, gesellschaftliche Ungleichheit und verwehrte Frauenrechte. Es ist ein soziales Lehrstück, in dem wir vier junge Mädchen dabei begleiten, wie sie zu starken Frauen heranwachsen (gespielt von je drei Darstellerinnen in drei Altersstufen), in einer Familie, die andere nicht im Stich lässt, auch wenn es unbequem ist, Überwindung kostet und von der Umgebung nicht immer positiv aufgenommen wird. Das Ganze vor dem Hintergrund des amerikanischen Sezessionskrieges (1861 bis 1865), den auch die Verfasserin der literarischen Vorlage erlebt hat: Louisa May Alcott (1832 bis 1888) hat einst in ihrem 1868 erschienenen Jugendroman "Little Women" ihre eigenen Erlebnisse mit drei Schwestern verarbeitet.

Voller Einsatz des 26-köpfigen Ensembles. 
- © HALMEN PHOTO DESIGN / Helmut Rasinger

Voller Einsatz des 26-köpfigen Ensembles.

- © HALMEN PHOTO DESIGN / Helmut Rasinger

Wer bin ich? Und wer will ich sein? Diese beiden Fragen begleiten die vier jungen Frauen, die in einer Gesellschaft voller enger Grenzen ihren eigenen Weg suchen, der zuweilen ein recht steiniger ist. Sie setzen sich über Konventionen hinweg und blicken über den Tellerrand, auch wenn es oft nicht einfach ist, als Schwestern zusammenzuhalten. Und insbesondere Jo, die sich in den Kopf gesetzt hat, als Frau die Männerdomäne Journalismus zu erobern, steht sich in der Frage Liebe oder Karriere selbst im Weg. Ob sie am Ende zufrieden mit ihrem Leben oder unglücklich ist? Man weiß es nicht so genau. Wahrscheinlich ist es auch eine Frage des Standpunktes, der ja bekanntlich die Perspektive bestimmt. Und vor allem muss man die ganze Geschichte durch die Brille ihrer Zeit - also der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - betrachten. Wobei, viele der Themen sind gar nicht so unaktuell. Denn Hand aufs Herz: In Sachen Armut oder Gleichberechtigung sind wir heute zwar schon sehr viel weiter als in den 1860er Jahren - aber es ist trotzdem noch einiges an Luft nach oben.