Die gute Nachricht für Wiens Musiktheaterfreunde: Die ohnehin üppige Szene wird um weitere Facetten reicher. Das Volx, Dependance des Volkstheaters in der Margaretenstraße, bastelt zunehmend an einschlägigen Produktionen mit innovativem Anspruch.

Der jüngste Streich "Oh Darling Darling - Don’t Be Such A Baby" darf aber höchstens als mittelgute Nachricht gelten. Die 135 Minuten gestalten sich ähnlich wortreich und sinnarm, wie es der Titel verheißt, und sind nach der Methode der Stückentwicklung erstellt worden. Stückent...was?, fragt da vielleicht der unbeleckte Opernfreund. Um es mit einem kulinarischen Vergleich zu erklären: Für "Oh Darling" hat ein ganzer Kreativtrupp nach Lust und Laune diverse Handlungszutaten in einen Topf geworfen. Unter Umständen könnte das ein delikates Gericht zur Folge haben. Aber natürlich auch ein Irgendwas voller Kraut und Rüben.

Im Fall von "Oh Darling" gestaltet sich zumindest der Beginn kompakt. Als Operette angekündigt, startet der Abend als satirische Hommage an den furiosen Aberwitz und das plumpe Geblödel des Genres: Eine Reisegruppe steigt in einen Bus zu einem Operettenabend in der deutschen Stadt Salzgitter, die Passagiere im Glitzerkostüm erweisen sich rasch als so abstrus wie die Handlung. Als der Motor den Geist aufgibt, erwacht im frühpensionierten Kommissar Dullmann (Energiebündel Elias Eilinghoff) der kriminalistische Instinkt wieder. "Was hatten Sie gegen den Bus? War er Ihnen zu gelb?", verhört er, tatsächlich, seine eigene Frau und schlägt dann in Rage den Busfahrer k.o. Was einen anderen Insassen kalt lässt: Wie weit noch zur Raststation? Es sind solche Momente, die den anarchischen Witz der Operette aufblitzen lassen. Für Slapstick sorgt dabei etwa, wenn Busfahrer Marcello Hand ans kaputte Gefährt legt und sich fortwährend, au, au!, den Kopf stößt. Was zum Glück kaum wehtut, weil er einen Reiterhelm trägt. Und weil der Bus ja auch gar kein Bus ist, sondern nur ein Heuwagen aus Holz auf der kargen Bühne von Robin Metzer.

Mit der Panne verliert die Irrfahrt aber an Tempo und zerfasert in Einzelszenen: Da der tumbe, bundesdeutsche Phrasenmonolog von Marcello (Claudio Gatzke) nach Helge-Schneider-Manier. Dort die haarsträubende Ganzkörperrasur des Möchtegern-Poeten Otto Wurzer (salbungsvoll: Günther Wiederschwinger) durch die Gruppe. Dann ein plötzliches, gegenseitiges Beschnuppern ("Sie riechen total gut!"). Und, apropos: Der an den Gesäßhaaren herbeigezogene Dialog über Geruchsmischungen auf der Toilette. Und überhaupt all das Plattitüden-Geplapper.

Und die Musik? Sylvia Kimiko Krutz spielt sich am Pianino durch gefühlte fünf Notenkilometer vom Blatt mit allerlei Halbgassenhauern und zwei, drei echten Ohrwürmern (Musik, Regie, Text: Marius Schötz). Gesungen wird, als gäb’s kein Morgen. Nur leider: Abgesehen vom Zauber einer Naturstimme (Birgit Allesch) intonieren die Schauspieler meist so krude, dass "Oh Darling" auch musikalisch allenfalls als Parodie gelten darf und nicht als die avisierte "Operette". Wobei es dieser Stückentwicklung gutgetan hätte, sie um rund eine Stunde zurückzuentwickeln.