Es ist eine Industriehalle: nüchtern und kühl. "Die Industrie ist deutlich sichtbar", sagt Kira Kirsch, die künstlerische Leiterin des Koproduktionshauses Brut, bei der Präsentation des dichten Spielprogramms 2021/22 am Dienstag. Ab 1. Oktober hat das Brut nach einer jahrelangen Wanderzeit durch Wiener Performancelocations einen fixen Standort zu bespielen: Zuerst ein Textilunternehmen, später ein Getränkegroßhandel, dann ein Industrie- und Büroareal, ist die Halle nun Brut-Hauptquartier nahe dem ehemaligen Frachtenbahnhof des Nordwestbahnhofs in Wien-Brigittenau - ein Zentrum für die freie Performance-, Tanz- und Theaterszene. Jedoch vorübergehend bis Ende 2023. 2024 soll das Brut dann in die ehemalige Zentralbankzweigstelle St. Marx in Wien-Landstraße einziehen.

Bis dahin stehen 1.600 Quadratmeter im sogenannten Brut Nordwest zur Verfügung - adaptiert für Performances mit einer 15 mal 25 Meter großen Blackbox, die bereits von den Wiener Festwochen eingeweiht wurde. "Gegenwart und Zukunft entstehen hier", freut sich Kirsch über den Spielraum, der weit größer ist, als jener des Brut im Künstlerhaus, das jahrelang Heimatstätte war. Das Vorhaben, kostenlos Räumlichkeiten für die freie Szene zur Verfügung zu stellen, ist steuerrechtlich noch nicht geklärt. "Man arbeitet aber weiter daran", fügt Kirsch hinzu.

Etliche heimische Performer

Enthusiastisch wird die Programmierung der aktuellen Saison präsentiert, die am 1. Oktober startet und etliche bekannte Namen der heimischen Szene nennt. "The Art of Asking Your Boss for a Raise", also die Kunst, seinen Chef nach einer Gehaltserhöhung zu fragen, zeigt das heimische Künstlerkollektiv toxic dreams am Eröffnungswochenende. Es ist eine, wie der Titel schon erahnen lässt, "mit Slapstick-Momenten angereicherte Komödie, eine nachdenkliche Reflexion über das Leben im Algorithmus und das Vergehen von Zeit", so Kirsch. Die große Fläche rund um die Blackbox wird mit dem Kurzfilm "Airy Matters" von Andrea Gunnlaugsdottir eine Stunde vor Vorstellungsbeginn bespielt. Es geht darin um den Wert von Luft. Als Teil der Eröffnung ist auch eine Ausstellung des Duos Sööt/Zeyringer mit dem Titel "Connecting Views" zu sehen, sowie die Lichtinstallation "This Place is intentionally left blank" der Künstler Lasse Mouritzen und Frida Robles an der Fassade in der Nordwestbahnstraße.

Ferner stehen etwa Sara Lanner mit "Mining Minds", Lau Lukkarila mit "kneading to the 3rd millennia", "Immortality Day" von Oleg Soulimenko, "Tank" von Doris Uhlich im Naturhistorischen Museum oder "Bones & Wires" von Simon Mayer auf dem Programm. Insgesamt werden zehn Performances gezeigt, die aufgrund von Corona-Lockdowns verschoben werden mussten. 31 weitere konnten in der vergangenen Saison live vor Publikum (im Oktober 2020) und online (ab November 2020) realisiert werden. "Wir haben die Künstlerinnen und Künstler nicht im Regen stehen lassen", fügt Geschäftsführer Richard Schweitzer hinzu: "Dank Corona-Hilfen wie Kurzarbeit und Umsatzersatz haben wir das Jahr 2020 relativ unbeschadet überlebt". 2021 könnte aufgrund der auslaufenden Förderungen schwieriger werden.