Im Bühnenzentrum steht ein Klavier, auf dem Notenpult liegt eine Edition von Felix Mendelssohn Bartholdys "Lieder ohne Worte", davor sitzt ein Pianist und spielt: Es hätte ein idyllischer Abend werden können - wurde es aber nicht. Stattdessen inszeniert der Züricher Thom Luz im Museumsquartier für die Festwochen ein Inferno. Das Geschehen eines Autounfalls ist gleichermaßen minutiös und grandios erarbeitet: Vier Darsteller in Blaugrau schieben zu Beginn in präziser Parallele ein rotes 10-km/h-Auto und ein schwarzes Klavier in die Bühnenmitte; bald geben primär das Instrument und eine Autohupe den Ton an. Im Lauf der nächsten eineinhalb Stunden werden sich die sanglichen Melodien von Mendelssohn Stück für Stück in ein immer stärker rauschendes Autoradio und Schlechtwetterereignisse verwandeln.

Absurde Brechungen

Einem Biedermeier-Ideal entsprechend, verläuft der Unfall in einem Idyll aus weiten Tälern und schneebehangenen Wäldern: Das Auto karamboliert mit einer Ricke, Tier und Insassen sterben. Visuell sorgen die konstruierten Bilder und die Lichttechnik (Luz, Tina Bleuler) für Unbehagen, es blitzen aber auch skurrile Pointen auf. Eine Darstellerin stürzt das leere Auto eigenhändig um und begibt sich dann zügig hinein, um das Todesopfer zu mimen: eine bewusste Brechung der Bühnenmagie. Fortwährend geht es darum, den perfekten Unfall zu inszenieren und zugleich die Bühnentechnik zu entlarven: Das durchzieht die Darbietung wie ein Markenzeichen. Brechungen aber auch auf akustischer Ebene: Neben den "Liedern ohne Worte" erklingen mehrstimmige Heimatlieder, zudem werden philosophische Monologe über das Leben und Sterben eingestreut. Ein Spiel mit Zeitebenen, Wortwitz, Musik (Bravo an Mathias Weibel) und Technik etabliert eine eigenwillige, letztlich beklatschte Form des Musiktheaters.