Mehr als ein Vierteljahrhundert hat Helga Rabl-Stadler als Präsidentin die Geschicke der Salzburger Festspiele geprägt – Ende Dezember wird sie diese Funktion endgültig niederlegen. Am heutigen Samstag hat das politisch besetzte Festspielkuratorium den Posten im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" ausgeschrieben. Gesucht wird eine Person mit "umfassenden Kenntnissen des Kulturlebens", einem "unternehmerischen Gestaltungswillen" und "sozialer, integrativer und vermittelnder Kompetenz". Zudem soll sich die neue Führungsfigur "sowohl am internationalen Parkett als auch in der regionalen Verwurzelung der Salzburger Festspiele sicher bewegen" und mit ihrer "Überzeugungskraft" gewinnend auf Sponsoren und Mäzene zu wirken.

Eigenschaften, die Helga Rabl-Stadler mustergültig in sich vereint. Fragt sich nur: Wer vermag nun die kolossale Lücke im Festspiel-Direktorium, zwischen Intendant Markus Hinterhäuser und dem kaufmännischen Leiter Lukas Crepaz, zu füllen? Das Namedropping ist seit Sommer im Gange, hat aber noch keine zwingenden Namen zutage gefördert. Gut: Alexander Wrabetz wäre als Festspiel-Chef denkbar, hat sich der scheidende ORF-Generaldirektor doch immer wieder für Kulturbelange in die Brust geworfen, nicht zuletzt durch die TV-Übertragungen während der Lockdowns. Doch der Rundfunk-Boss hat offiziell abgewunken: Helga Rabl-Stadler sei "ein Denkmal für sich, es wird sich schon wer finden", dementiere er sein Interesse am Rande der Österreichischen Medientage in dieser Woche. Ebenfalls unter den kolportierten Namen: Nikolaus Bachler. Auf der einen Seite ein plausibler Kandidat: Bachler, 70, saß auf einigen der wichtigsten Intendantensessel der deutschsprachigen Kulturwelt, leitete das Burgtheater, die Wiener Festwochen, zuletzt die Bayerische Staatsoper in München. Andererseits: Der gebürtige Steirer wirkt derzeit als Geschäftsführer der Salzburger Osterfestspiele und wird im nächsten Jahr auch deren künstlerische Leitung übernehmen. Sollte er Sommerfestspiel-Ambitionen hegen, dürfte dies eher hinderlich sein. Denn die Osterfestspiele sind ein ebenso eigenständiges Unternehmen wie die Sommerfestspiele, ein Umstand, auf den beide Festivals Wert legen.

Zudem wird gemunkelt, dass die Politik hinter den Kulissen bereits dezidiert nach einer Frau für den Posten sucht. Andere Gerüchte befürchten das Schlimmste und spekulieren über einen politischen Ratschluss, der ein befreundetes Leichtgewicht statt einen profunden Kulturkenner in den Posten hebt. Bleibt zu hoffen, dass dem Festival eine solche Blamage nicht ins Haus steht. Die Frist für "aussagekräftige, schriftliche Bewerbungen" läuft jedenfalls bis zum 1. November. (irr)