Wien lebt von seinen Originalen, und derer gibt es eindeutig mehr, als man denkt. Der Liebe Augustin ist vielen Menschen durchaus noch ein Begriff, beim Waluliso trennt sich die Spreu vom Weizen, und wer den Baron Koarl kannte, darf sich schon getrost als Experte bezeichnen. Umso schöner, wenn solchen Personen ein (musikalisches) Denkmal gesetzt wird.

Der Sandler-Baron

Ein ebensolches ist nun im Theater-Center Forum Wien zu erleben. Nomen est omen: Unter dem Titel "Baron Koarl" wird eines Wiener Sandlers gedacht, der viel zu lange in der Versenkung verschwunden war. Karl Baron war ein Fassldippler, ein Tschickarretierer, ein Stadtstreicher und Sandler-Philosoph im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten, ein Bezirksdiogenes quasi, wohnhaft in leeren Fässern, in städtischen Streusand- oder Mistkisten. Er war immer irgendwo da, spielte auf seiner Geige für die armen Arbeiterkinder, mit denen er die dabei in seinem Hut eingesammelten Münzen teilte. Er verstarb im Jahr 1948, als er von einem russischen Lkw überfahren wurde. Es waren an die 10.000 Menschen, die dem "lieben Augustin von Favoriten" auf dem Wiener Zentralfriedhof das letzte Geleit gaben.

Das Ensemble Nino Holm, Robert Persché, Erwin Leder, Eik Breit, Doris P. Kofler, Heinz Jiras, Florian Widhalm und Peter Steinbach weiß zu unterhalten. Musik, Freundschaft, das Wiener Gemüt und auch die Liebe kommen nicht zu kurz.