Dramatisierungen von großen Romanen der Weltliteratur können wie ein belebendes Elixier wirken, allerdings geht dabei leicht etwas daneben, wie nun im Landestheater Niederösterreich bei Sara Ostertags Inszenierung von Thomas Manns "Der Zauberberg".

Üblicherweise eilen die Figuren bei Thomas-Mann-Bearbeitungen im epischen Schnellschritt durch die verschlungene Handlung, dabei werden tiefergehende Dimensionen notgedrungen ausgeblendet. Oder man verzichtet ganz auf die Handlung und konzentriert sich auf einzelne Aspekte, Fragen nach der Endlichkeit, dem Schrecken des Todes wären hier naheliegend.

Regisseurin Ostertag changiert indes unentschlossen zwischen beiden Positionen. Das führt zu charmanten Szenen - zu Beginn begrüßt Michael Scherff das Publikum als Sanatoriumsarzt Hofrat Behrens und wünscht allen gute Besserung, auch Tilman Rose tappt als Hans Castorp gekonnt vom unbedarften Neuankömmling zum Profi-Patienten.

Gelungen ist auch Nanna Neudecks Bühnenbild, das einen überdimensionierten Thorax darstellt, eine abstrakte Spielfläche, deren Potenzial kaum genutzt wird; dass die ärztliche Diagnose via Bespritzen mit Farbflaschen erfolgt, wirkt eher unpassend.

Die 100-minütige Vorstellung verliert im Lauf der Handlung zunehmend Fokus und Orientierung. Weder kümmert sich die szenische Darbietung ausreichend um die Handlung, den Beziehungskonstellationen kann man kaum folgen, noch werden die philosophischen Dialoge etwa mit Settembrini (Bettina Kerl) und Naphta (Tim Breyvogel) vertieft. Alles schlittert entlang der Oberfläche.