Der US-Opernkomponist Carlisle Floyd ist tot. Der 1926 in South Carolina geborene Künstler ist bereits am Donnerstag im Alter von 95 Jahren in Tallahassee, Florida, verstorben, wie sein Verlag Boosey & Hawkes mitteilte. Zu Floyds meistgespielten Werken zählt die Oper "Susannah" (1955), die Lloyd mit 28 Jahren schrieb. Auch mit seiner Adaption von John Steinbecks Roman "Of Mice and Men" (1970) feierte er große Erfolge.

Floyd war bis ins hohe Alter aktiv. So hatte seine Kammeroper "Prince of Players" erst vor fünf Jahren - kurz vor seinem 90. Geburtstag - Premiere. Sein Oeuvre umfasst neben mehreren weiteren Opern außerdem kleinere und größere Lieder- und Chorzyklen, Etüdensammlungen und Orchestrales.

Auch in Österreich wurden Floyds Werke immer wieder aufgeführt. "Susannah" war etwa 1996 in der Wiener Kammeroper, "Of Mice and Men" bei den Bregenzer Festspielen 2001 und das Südstaatendrama "The Passion of Jonathan Wade" (1962) im Salzburger Landestheater 2010, das dort sogar seine Europapremiere feierte, zu sehen.

Floyds größte und anhaltende Erfolge waren seine Opern "Susannah" und "Of Mice and Men". Die Arie "Ain't it a pretty night" aus "Susannah" gehört zum festen Repertoire der meisten Sopranistinnen.

Erfolg mit dem Erstlingswerk

Gleich mit dieser seiner ersten Oper, 1955 uraufgeführt, hatte Floyd einen durchschlagenden Erfolg. Hier, wie sonst auch, textete er das Libretto selbst. Er verlegte die biblische Geschichte der schönen Susanna im Bade aus dem Buch Daniel in die Zeit der US-amerikanischen Puritaner-Gemeinden und verfasste das Libretto in mundartlichem amerikanischem Englisch. Seine Musik zu der ganz auf die spannende Handlung setzenden Oper war tonal, zu Beginn klingt ein Fiddle Tune zum Square Dance, und der Stil puritanischer Kirchenhymnen verkantet sich mit sperrigen Akkorden zu einem Stil, der weniger konservativ ist, als er beim ersten Hören scheint. Vor allem aber besitzt "Susannah" in der Titelgestalt und der Figur des charakterlich verdorbenen Predigers Olin Blitch zwei großartige Rollen, die für Sängerinnen und Sänger wie Renée Fleming, Cheryl Studer oder  Samuel Ramey attraktiv waren.

In allen seinen folgenden Opern behält Floyd das Rezept bei, deklamatorische Arien auf der Basis prägnanter kurzer Motive mit dissonanten Harmonien zu stützen und das weite Feld zwischen tonaler Süße und tonartlich nur noch schwer fassbaren Entwicklungen zu erkunden. Oberflächlich scheint er damit in das Umfeld von Komponisten wie Gian-Carlo Menotti oder Robert Ward zu gehören, wäre da nicht auch eine flackernde Expressivität, dank der seine spätere Erfolgsoper "Of Mice and Men" Parallelen auch zu Benjamin Britten suggeriert. Doch trotz aller stilistischer Ähnlichkeiten zu anderen Komponisten des angloamerikanischen Raums, ist Floyd stets von erstaunlicher Eigenständigkeit geblieben. Man erkennt seinen Stil oft schon nach wenigen Takten, ohne dass man die Elemente, die zu dieser charakteristischen Schreibweise führen, genau benennen könnte. 

Auf den Tod eines Komponisten folgen stets die "kritischen Jahre", in denen sich erweist, ob seine Werke Bestand haben. Im Fall von Carlisle Floyd kann man dessen jetzt schon sicher sein: Eine Oper wie "Susannah" wird sich auf den Bühnen auch weiterhin behaupten können. (eb / apa)