Einmal alle 100 Jahre bricht in der Wiener Staatsoper eine besondere Stunde an, eine magische Stunde, in der die Grenze zwischen Fantasie und Realität verschwimmt und Opernfiguren abseits der Bühne zum Leben erwachen. In der Wiener Staatsoper passiert das just in dem Moment, als eine junge Gästeschar sich auf der prächtigen Feststiege zu einer Führung durch das Opernhaus versammelt. Es ist Belmonte aus Mozarts "Entführung", der den überraschten Opernführer Denis (pointiet: Daniel Ogris) und die Kinder mit auf eine abenteuerliche musikalische Reise mit interaktiven Stationen durch das ganze Opernhaus nimmt, um seine Konstanze aus der Macht des grimmigen Bossmin zu befreien.

Daniel Ogris (Denis) und Anna Nekhames (Konstanze) suchen die magische Pforte. - © M. Pöhn
Daniel Ogris (Denis) und Anna Nekhames (Konstanze) suchen die magische Pforte. - © M. Pöhn

Mit ihrem jüngsten Musiktheaterprojekt für junges Publikum (ab 6 Jahren) greift die Wiener Staatsoper auf das bereits bewährte Konzept der Wanderoper zurück. Stillsitzen und stumm zuhören war gestern, herum spazieren, miträtseln, -tanzen und -singen ist heute. Für "Die Entführung ins Zauberreich" hat Gerald Resch Musiken von Mozart behutsam neu arrangiert und kontextualisiert, Margit Mezgolich ein stringentes Libretto verfasst und Nina Blum hat das bunte wie kurzweilige Mitmach-Projekt flott und fantasievoll in Szene gesetzt.

Talentproben aus dem Opernstudio der Staatsoper: Angelo Pollak, Johanna Wallroth, Ilja Kazakov, Anna Nekhames und Hiroshi Amako (von links) mit Schauspieler Daniel Ogris (Mitte). - © Peter Mayr
Talentproben aus dem Opernstudio der Staatsoper: Angelo Pollak, Johanna Wallroth, Ilja Kazakov, Anna Nekhames und Hiroshi Amako (von links) mit Schauspieler Daniel Ogris (Mitte). - © Peter Mayr

Über drei Stationen wandern die Kinder, begleitet vom Bühnenorchester unter Markus Henn eine gute Stunde lang durchs Haus, bis sie gemeinsam die magische Pforte finden und öffnen. Die jungen Sänger sind allesamt Mitglieder des Opernstudios und agieren als überzeugendes Ensemble. Ein absolut zeitgemäßer wie kurzweiliger Zugang zum Genre auf hohem künstlerischen Niveau.

Ob es wirklich Rap braucht, um Kinder für die Oper zu begeistern? Mozart wäre fetzig genug.