Schon das Bühnenbild von Autoren- und Regiepaar Kaja Dymnicki und Alexander Pschill - ein bis in die Details durchkomponiertes, herrlich bespielbares 1970er Jahre-Setting aus Fototapetenpappwänden, beige grundierter Sofa-Fauteuil-Landschaft und einer Ansammlung heruntergekommener "Orientteppiche" - lässt erahnen, dass vieles nicht mehr ganz nach dem antiken Mythos funktioniert, mit dem sich die beiden Theaterroutiniers so hintergründig wie schonungslos beschäftigt haben.

Alles an diesem "Ödipus" ist durch die (post)modern schon etwas verrückte Freud’schen Brille neu interpretiert, ohne dabei den mythologisch-dramaturgischen Komödienfaden zu verlieren, und durch eine ordentliche Menge heißer Ovomaltine getunkt, die da und dort auch mal den Gaumen verbrennt. Könige und Kleinbürger, Gattinnen und Kinder, sie alle hausen in einer Retrowelt, in der Normcore noch nicht angekommen und Nonsense noch nicht tabu sind. Fast alles klappt wie am Schnürchen in dieser Klamotte bester Tradition, in der kein schlechter Scherz und keine Torten-, Tisch- und Tür-Choreografie ausgelassen wird und Koks wie Kalauer über die Bühne fegen.

Und was bei Sophokles noch einigermaßen dem Orakel folgt, klappt in der Überschreibung als trashige Kriminalkomödie eben nicht mehr, und das macht auf weite Strecken mächtig Spaß. Auch wenn gegen Ende hin dem Stück ein wenig die Luft ausgeht, so ist es vor allem dem grandiosen Ensemble zu danken, dass hier bis zum Finale fast jede Pointe sitzt.