Das hat was! - Wenn der ehemalige Burgtheaterdirektor auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt steht, sind die Spitzen gegen das Haus, das nicht mehr seines ist, noch etwas spitzer. Nicht, dass er es nicht befördern würde. Und das Publikum gibt ihm mit Lachstürmen recht.

Die Josefstadt weist die Produktion von "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen" als Premiere aus. Das gilt freilich nur für das eigene Haus. Sie war zuvor im Akademietheater zu sehen. Es tut gut, dass sie nicht verloren gegangen ist.

Wer meint, "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen" sei nur ein kabarettistischer Abend, ein selbstbespiegelndes Wortballett für Claus Peymann, Hermann Beil und Maria Happel, irrt gründlich. In diesen drei Dramoletten nämlich legt Thomas Bernhard die Mechanismen seiner Theaterdichtung so offen wie nirgends sonst: Die steigernden Wiederholungen, die Variationen, die thematischen Rückgriffe - Musik ist das, auf die Sprache übertragen.

Galerie von Dummköpfen

Ursprünglich nicht zur Aufführung bestimmt, erweisen sich die Dramolette "Claus Peymann verlässt Bochum und geht als Burgtheaterdirektor nach Wien", "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen" und "Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese" als hinreißende Sprechtexte. Nur gesprochen entfalten die gedanklichen Purzelbäume von Kritikern in Koffer gepackt bis hin zur Galerie der aus "Dummköpfen" und noch mehr "alten Nazis" bestehenden österreichischen Regierung ihre bunten Bizarrerien. Die Sprengkraft steckt im großen bernhardschen Lachen über die Unwichtigkeiten der Welt - und in der unwillkürlichen Überlegung, welches Stück Bernhard heute wohl schriebe. Immerhin: Österreich sei Theater, meinte Bernhard.

Die Aufführung? - Grandios! Im skurrilen Bühnenbild Karl-Ernst Herrmanns sagt Maria Happel zirkusdirektricenhaft das Geschehen an. Sowieso glänzend! Mit Hermann Beil wird’s schon schwieriger: Ist er jetzt als Fräulein Schneider besser oder als Thomas Bernhard? Und vor allem: Ist Hermann Beil als Fräulein Schneider und als Thomas Bernhard besser denn als Hermann Beil, oder ist Hermann Beil doch als Hermann Beil am allerbesten, was nur natürlich wäre?

Fest steht indessen, dass Claus Peymann ein fulminanter Claus Peymann ist, und gäbe es ihn nicht, müsste man glatt einen Schauspieler erfinden, der nichts anderes macht, als Claus Peymann zu spielen, der Claus Peymann spielt. So aber hat man das Glück, Claus Peymann als besten Claus Peymann aller Zeiten zu erleben. Naturgemäß.