Der Mathematiklehrer Kupfer hat den Schüler Zasche vernichtet, einfach so, weil er darauf Lust hatte. Er betrachtet sein Opfer wie ein Insekt, das er zertreten hat. Gott Kupfer gibt, Gott Kupfer, vor allem aber, nimmt.

Das ist einer der stärksten Momente in Marcus Strahls spannungsgeladener Inszenierung von Felix Mitterers Dramatisierung des Friedrich-Torberg-Romans "Der Schüler Gerber". Als Machtspiel, das weit über den konkreten Anlass hinausreicht, inszeniert Strahl die Geschichte. Mit dem stoischen Professor Mattusch arrangieren sich die Schüler. Kupfer hingegen ist von Anfang an der Feind. Er gibt den Schülern sowenig eine Chance wie sie ihm.

Gerber hat seinen Anteil daran: Angelo Konzett ist kein reiner Sympathieträger, er kehrt die arrogante Seite Gerbers heraus, zeigt ihn in einer fulminanten Charakterstudie auch feige und kriecherisch. Michael Zallinger als brillanter Benda und Georg Hasenzagl als gequälter Zasche stechen aus einem Ensemble hervor, dem es gelingt, als dem Maturantenalter Entwachsene die Schüler glaubhaft zu machen. Julia Braunegger stattet die außerordentlich unsympathische Lisa auch mit anziehenden Zügen aus. Den Kupfer hat sich Strahl selbst auf den Leib inszeniert. Ganz in Weiß steht er da, ein grinsender Gott des Sadismus in einer Aufführung, die dem Zuschauer den Atem nimmt.