Der legendäre Baron Münchhausen hat gelogen, dass sich die Balken bogen: das eigene Pferd am Kirchturm anbinden, auf einer Kanonenkugel über das türkische Heer fliegen und sich dann selber am Schopf aus dem Morast ziehen. Bei so viel Fantasie wirken selbst die hartgesottensten Fake-News-Produzenten wie lahme Enten. Dabei hat heute jeder Handybesitzer dank Social Media und Bildbearbeitungssoftware das Potenzial zu einem echten Münchhausen.

In seinem mittlerweile sechsten Soloprogramm nimmt der deutsche Kabarettist Rainald Grebe sein Publikum mit auf eine Reise durch die bunte Welt moderner Hochstapler und Schönfärber. In einer Mischung aus Helge Schneider und Georg Kreisler gibt Grebe den geistreichen Liedermacher, der mit viel Witz und guter Beobachtungsgabe seine Mitbürger und deren Eigenheiten aufs Korn nimmt. Da bekommen dann Politiker mit Schlafmangel ebenso ihr Fett ab wie leistungsorientierte Calvinisten oder die Ex-Freundin. Zwischen den Liedern bindet Grebe wie beiläufig seinen Licht- und Tontechniker Franz als Doppelconférencier ein. Da wird dann über die Wirkung von Food-Selfies sinniert oder das jeweilige Tour-Hotel anhand der Teppichböden erraten.

Grebe legt seine Bühnenfigur zerstreut, entrückt und mit einem Hang zum Absurden an. Umso pointierter und stimmgewaltiger sind seine Lieder, die das Herzstück des Abends bilden. Wer Humor mit Hirn mehr mag als platte Schenkelklopfer, wird sich bei Grebe gut aufgehoben fühlen.