Hätten Monty Python "Die Ritter der Kokosnuss" als kindgerechtes Theaterstück adaptiert, dann wäre vielleicht etwas Ähnliches dabei herausgekommen wie das, was Regisseur Werner Sobotka auf die Bühne des Wiener Renaissance Theaters zaubert. Denn der Hektiker-Mitgründer trägt, in bester Tradition der großen Vorbilder, bei der aktuellen Produktion "Der kleine dicke Ritter" des Theaters der Jugend ganz dick auf.

Natürlich gibt es in der aufwendigen Bühnenfassung des Kinderbuchklassikers von Robert Bolt aus dem Jahr 1963 einiges an lehrreichen Erkenntnissen, aber auch und vor allem sehr viel zu lachen - und zwar für die erwachsenen Begleitpersonen fast noch mehr als für das junge Publikum, weil viele Gags für die Großen dabei sind, die ihre Kinder gar nicht mitkriegen.

Was deren Vergnügen aber keinen Abbruch tut, weil allein schon das imposante Bühnenbild (Stephan Prattes), die sehr ansprechenden Kostüme (Elisabeth Gressel) und überhaupt das wilde Spiel des elfköpfigen Ensembles beste Unterhaltung garantieren. Der Saal tobt, wenn der kleine dicke Ritter Länglich (Niklas Doddo) im Slapstick-Zweikampf mit Junker Schwarzherz (Benedikt Paulun gibt einen hinreißenden dumm-groben Klotz) über die Bühne wirbelt.

Thomas Zimmers Herzog (2. v. l.) trägt Stromberg-hafte Züge, Michael Schusser (l.) und die anderen Ritter sorgen für beste Unterhaltung, während Florian Stohr (r.) als tuntiger Baron herrlich intrigiert. 
- © Rita Newman

Thomas Zimmers Herzog (2. v. l.) trägt Stromberg-hafte Züge, Michael Schusser (l.) und die anderen Ritter sorgen für beste Unterhaltung, während Florian Stohr (r.) als tuntiger Baron herrlich intrigiert.

- © Rita Newman

Prinzipientreuer Edelmann gegen intriganten Fiesling

Im Hintergrund spinnt Baron Bulligrob (Florian Stohr ist als Fiesling einfach göttlich) seine Intrigen, unterdrückt seine Untertanen und überlegt, wie er Länglich wieder loswerden kann. Den hat ihm nämlich der Festland-Herzog (Thomas Zimmer) unwissentlich auf den Hals gehetzt. Eigentlich wollte er den veganen Ritter nämlich nur für einige Zeit loswerden, weil er zu motiviert war, was den anderen, faul gewordenen Rittern nicht schmeckte.

Aber es kommt halt dann, wie es kommen muss: Ritter Länglich, ein Edelmann ohne jeden Tadel, folgt seinen Prinzipien konsequent bis ins Letzte, egal wie unangenehm auch die Folgen sein mögen. Und dass er dabei dem Baron nicht nur auf die Zehen steigt, sondern auch sich selbst in Gefahr bringt, während er die Unterdrückten zu befreien versucht, die selber Angst vor der Befreiung haben, nimmt er in Kauf.

Vegan, tierlieb und prinzipientreu: Niklas Doddo glänzt als Ritter Länglich. - © Klaus Engelmayer
Vegan, tierlieb und prinzipientreu: Niklas Doddo glänzt als Ritter Länglich. - © Klaus Engelmayer

Ein Glück nur, dass ihm dabei die sprechende Elster Else (Claudia Waldherr) zur Seite steht, die auch noch zu ihm hält, wenn er sich durch seine Prinzipientreue selbst ein Bein stellt, und für ein gutes (teils überraschendes) Ende sorgt. Ja, es wird auch ein bisschen magisch auf der Bühne des Renaissance Theaters, und zwar auch, weil der Baron einen bösen Zauberer (Uwe Achilles) zu Hilfe holt, der Länglich an den Drachen verfüttern soll. In diesen Szenen spielt das aufwendige Bühnenbild alle Stückeln, wenn die Bestie nicht nur die Augen funkeln lässt, sondern auch das Maul aufreißt. Und während der kleine dicke Ritter über sich hinaus wächst und jedem noch so gemeinen Fiesling und bösen Zauber trotzt, um am Ende - Veganer hin, Tierfreund her - den Inseldrachen zu erschlagen, hält es die Kinder kaum in den Sesseln vor lauter Aufregung - und vor Gaudi. Und auch die Großen brüllen vor Lachen, wenn etwa der Stromberg-hafte Herzog ruft: "Man bringe den Spritzwein!", die versammelte Ritterschaft ein dreifaches "Nein! Doch! Oh!" anstimmt und jeder Musikeinspieler einen anderen Filmhit zitiert. Bleibt am Ende nur eine offene Frage: Ist Else nun eine europäische oder eine afrikanische Elster?