Vier Performer stehen sich im Kreis gegenüber. Der Raum ist dunkel. Körperlich sind sie einander zwar nahe, aber sie scheinen dennoch weit entfernt zu sein. Sie sehen einander nicht, nehmen die Präsenz der anderen nicht einmal wahr. Die Performer beginnen, die Köpfe in alle möglichen Richtungen zu drehen, es folgen die Schultern, dann die Oberkörper. Das Licht wird heller. Eine riesige Metallplatte im Hintergrund und zahlreiche unterschiedlich große am Boden werden sichtbar. Im Lauf des Abends werden diese noch raffiniert Requisite und Bühnenbild mit Lichteffekten zugleich. Die Performer entfernen sich immer weiter von einander, die Bewegungen werden zunehmend raumgreifender.

Performerin Megan Castro. 
- © Michael Loizenbauer

Performerin Megan Castro.

- © Michael Loizenbauer

Choreograf Elio Gervasi, Urgestein der heimischen Tanzszene, macht gleich im ersten Moment seines jüngsten Stücks "Silen-ce", das zurzeit im Off Theater Wien zu sehen ist, deutlich, wovon dieser Abend handeln wird: von Isolation, von dem In-sich-Kehren. Social Distancing hat sich wohl tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.

In Megan Castro, Paula Dominici, Annalisa Di Lanno und Luca Zanni hat Gervasi einmal mehr ausdrucksstarke und individuelle Tänzerpersönlichkeiten entdeckt, die zeitweise aufgrund ihrer Körperbeherrschung staunen machen: Das ihnen anvertraute Bewegungsrepertoire erinnert an Urban Dance und Popping ebenso, wie an Gervasis solide choreografische Handschrift eines zeitgenössischen Tanzschaffenden. Manchmal scheinen sie wie ferngesteuert, ihrer Körper nicht mächtig. Dann wiederum wird etwa mit der Hand das Bein geführt und kontrolliert. Gervasi zeigt einen Spiegel und ein Spiel der Gemütslagen in Isolation. Erfrischend elegant und kurzweilig trotz der Schwere des Konzepts.