Schmähschriften, Hasstiraden und Publikumsbeschimpfungen haben eine lange Tradition, eines verbindet die satirischen Abrechnungen von Erasmus von Rotterdams "Lob der Torheit" (1509) bis zu Peter Handkes "Untertagblues" (2004): Sie wurden allesamt von Männern verfasst, spiegeln demnach ein patriarchales Weltbild. Die österreichische Autorin Lydia Haider sagt alldem den Kampf an. In ihrer Suada "Zertretung - 1. Kreuz brechen oder also alle Arschlöcher abschlachten" rechnet eine Hardcore-Feministin mit dem viel zitierten "weißen alten Mann" ab - und zwar richtig deftig.

Von Andreas Khol und Thomas Brezina, von Sebastian Kurz bis Andreas Gabalier wird einer nach dem anderen geköpft, gehäutet, gepfählt und nach den Regeln des Splattermovies hingerichtet. Selbst Jesus Christus und Thomas Bernhard werden nicht verschont.

In der Dunkelkammer des Volkstheaters, der Probebühne unterm Dach, treten drei Akteurinnen in Kapuzenanzügen und Masken auf, in der Regie von Intendant Kay Voges sprechen sie Monologe ins Mikrofon. Eine raumfüllende Leinwand zitiert die Ästhetik der Run-and-Gun-Games. Personen aus dem Publikum werden gebeten, via Playstation-Controller die virtuellen Hinrichtungen zu vollstrecken. Das hat schon was, aber für die Dauer von 80 Minuten verliert das andauernde Gemetzel an Spannung, entfaltet in seiner szenischen wie inhaltlichen Gleichförmigkeit kaum mehr Dynamik.