Elina Garanca als Fürstin von Bouillon ist ein Erlebnis. Alle Tugenden der Lettin können in dieser Partie aus "Adriana Lecouvreur" eindrücklich zutage treten: stimmliche Finesse, präzise Rollengestaltung und bühnenwirksame Erhabenheit. Diese Frau handelt mit kühlem Kopf und heißem Herzen. Sie ist berechnend und schreckt vor nichts zurück. Kränkung und Zurückweisung erträgt sie nicht; ihre Rache serviert sie in Form eines vergifteten Veilchenstraußes.

Der vorige Freitag brachte an der Staatsoper ein fulminantes Rollendebüt der Garanca – neben neun weiteren. Ermonela Jaho als Schauspielerin Adriana Lecouvreur ist als Konkurrentin klug gewählt. Sie wirkt fragiler, verletzlicher. Ihre Stimme besitzt eine wunderschöne Höhe, klingt federleicht und tragfähig zugleich. Betont kraftvoll legte Brain Jagde seinen Maurizio an. Der US-Tenor verströmte durchgehend robuste Virilität. Die Figur des still verliebten Beschützers Michonnet füllte Nicola Alaimo mit rollendeckender Empathie und Wärme aus. Herrlich kriecherisch und mit wohldosiertem Klamauk agierte Andrea Giovannini als Abbé neben dem etwas behäbigen Fürsten des Evgeny Solodovnikov. Francesco Cileas "Adriana Lecouvreur" bietet alles, was ein beglückender Opernabend haben sollte: Eifersucht, Leidenschaft, faszinierendes Theaterambiente und dazu herrlich duftende Musik. David McVicars der Zeit der Geschichte treu gebliebene Inszenierung und die bildschönen Kostüme (Brigitte Reiffenstuel) verstärken dies aufs Positivste. Die effektvolle Musik war beim Staatsopernorchester und Dirigent Asher Fish in besten Händen.