Wenn Michaela Obertscheider eine Heldengeschichte der traditionellen Literatur fürs Kindertheater im Kabarett Niedermair adaptiert, dann kommt oft etwas anderes heraus, als man landläufig erwarten würde. Jedenfalls erzählt sie nicht bloß die Geschichte(n) nach, sondern macht ihr ganz eigenes Ding daraus. Das war schon bei "Robin Hood" und "Das hässliche Entlein" so - und das ist auch bei "Tills große Abenteuer" so.

Da wechseln drei Schauspieler in lustiger Gewandung einander ab bei der Darstellung des Till Eulenspiegel. Wer nicht gerade den berühmten Narren gibt, mimt ein Schaf, den lesenden Esel, die ängstliche Mutter oder die erbosten Gelehrten, die Till auf die Schaufel nimmt. Freilich ist er hier viel mehr als ein bloßer Possenreißer. Neben den Streichen geht es um ganz Grundsätzliches.

Auch in der Musik (von Wolfgang Peidelstein), die ebenso eigenwillig ist wie der gesprochene Text, in dem viel Poesie steckt, auf die man sich erst einmal einlassen muss. Was die meisten Kinder im Saal tun. Auch bei den Passagen, die sie nicht ganz verstehen. Letzteres stört aber kaum, weil es auch und vor allem dank der Schauspielkunst von Viktoria Hillisch, Nikolaas von Schrader und Philip Guirola Paganini zwischendurch zum Brüllen komisch wird. Allerdings zeigt sich auch, welch hartes Brot Kindertheater sein kann. Denn es gehen eben nicht alle Kinder im Saal mit. Und wenn es im Publikum zugeht wie zu Till Eulenspiegels Zeiten, dann muss man das als Schauspieler erst einmal durch- und überspielen. Was ihnen gut gelingt.