Peter Maxwell Davies’ Oper "The Lighthouse" (1980) scheint wie gemacht für das Allerheiligen-Wochenende. Nebelschwaden ziehen durchs Publikum, Kälte und die Aura des Unerklärlichen machen sich breit. Drei Sänger verkörpern die Schiffsoffiziere einer wahren Begebenheit, die bis heute ungeklärt ist: Im Dezember 1900 fährt das Versorgungsschiff Hesperus zum schottischen Leuchtturm Flannan Isles. Dort angekommen, findet sich kein Mensch. Die Frage, warum der Leuchtturm wie überstürzt verlassen wirkt, zieht sich durch das gesamte Stück, das sowohl im Leuchtturm als auch im Gerichtssaal spielt. Die Schiffsbesatzung wird des Mordes verdächtigt. Letztlich fällt das Gericht ein offenes Urteil.

Die Musik des rund einstündigen Werks, vom Wiener KammerOrchester unter der Leitung von Michael Zlabinger bravourös interpretiert, erinnert an Alban Berg: Die Instrumentalstimmen werden sparsam, aber sehr pointiert eingesetzt; Möwen rufen, das Meer rauscht und das "Gerichts"-Horn ertönt. Die Streicher sorgen für Krimi-Effekt. Auf der Bühne stehen drei Männer, die sowohl die Leuchtturmwächter als auch die Schiffsoffiziere verkörpern.

Die Spannung ist Johannes Schwendinger in der Rolle des Wächters Arthur ins Gesicht geschrieben: Ähnlich dem Licht des Turms, durchstreift sein wirrer Blick den Raum, die Hände krampfen. Andrew Morstein beweist als sein Kollege Sandy mit einer Ballade ruhiges Gemüt; ein grippaler Infekt tut der Brillanz seiner Stimme keinen Abbruch. Der dritte im Bunde ist Timothy Connor, der als Blazes seinem lodernden Namen alle Ehre macht. Letztlich imponieren vor allem die Lichtstimmungen (Franz Tscheck) in der Inszenierung von Georg Zlabinger: Wechselnde Farben sorgen für eine Theatralik, die die Musik allein nicht erzeugt.